Servus zusammen,
ich wünsch euch und euren Familien einen wunderschönen 1. Advent.
Dazu gibt es eine kleine Geschichte und ein Bild von der Christbaumkugel.
Herzlichst euer
Georg (in der Oberpfälzer Sprache auch Schorsch)
Die Christbaumkugel
Schorschi ist auf dem Christkindlmarkt gewesen. Auf seiner Schulter hängt ein Engelhaar. Nicht mehr lange – und der hochselige Baum wird wieder brennen. Alle Menschen huschen so behutsam durch die Straßen. Schorschi muß sich schicken. Seine Augen glänzen; aber er kann nicht laufen. Er hinkt, nein, er zieht seinen Fuß überhaupt steif und unbeweglich nach. Schon will ihm die Straßenbahn davonfahren.
„Bittschön, warten`S ein wenig, Herr Schaffner“, schreit eine Frau im Wagen besorgt, „schauen`S, ein Büberl möchte noch mit!“
„Meine liebe Zeit! Der Bub hat einen bösen Fuß!“ sagt der großmächtige Mann in der Ecke; aber dafür ist schon der Schaffner da. „Geh nur, Buberl! Hupf auf! Hoppla! So, nachher fahren wir halt wieder.“
„Herr Nachbar“ sagt unterdessen die ältere Frau, „rucken S`ein wenig! Der Bub da hat einen maroden Fuß, net wahr- - -. So, dankeschön! Hock di nur her! Siehst, für einen Fußkranken is noch alleweil ein Platz da. Wie heißt denn nacha, ha?“
„Schorschi heiß i“, sagt der Schorschi.
Und jeder muß es zugeben, es ist ein zu Herzen gehender Anblick, wie verquer dieser arme Knabe auf der Bank sitzt und den rechten Fuß fürsorglich in den Gang strecken muß, weil er ihn nicht abbiegen kann. Ein Kreuz ist so etwas schon, noch dazu in so jungen Jahren.
„Sowas ist was Gräusliches, so ein Fuß“, sagt die alte Frau bekümmert zu den anderen. „Das weiß ich zur Genüge von der Mutter ihrer Schwester ihrem Mann selig - - -„
„Tut er auch weh?“ fragt der feine Herr in der Mitte mit dem feinen Pelzfuttermantel.
„Naa! Weh tut er net“! sagt der Schorschi. „Bloß abbiegen derf i`n net!“
„Da, Bua, magst a paar Zwetschgn?“ fragt ihn da ein altes Weiblein und kramt aus ihrer Tasche eine Handvoll Zwetschgen und Kletzen heraus.
„Und an Apfl!“ sagt gleich eine andere Frau und holt einen aus ihrem Beutel.
„Vergeltsgood!“ stammelt der Schorschi und beißt in den Apfel. „Öha, sagt er dann, jetzt muaas i aba nacha aussteign…….“
Dafür ist aber wieder der riesenhafte Herr da. „Geht`s Leut, gebt`s obacht!“ schreit er. „Der Bua da möcht aussteign. Da schau her! Daß ebba Sie Eahnane Schragen net a wengerl einziagn könna, was? Dös moan i aa, bal der Bua da an moraden Fuß hat, net wahr? I dank Eahna halt recht schö. Alles geht, bal ma mag…. Wie bist denn da überhaupts zuawikemma zu deim Fuaß. Bua, ha?“
„Zuawikemma bin i gar nirgerns net….. aba am Christkindlmarkt bin i gwen“, sagt der Schorschi.
„Und da is dir nacha dös passiert“? jammert die alte Frau.
„Passiert is mir aa nix“, sagt der Schorschi drauf. „Aba a schöne rote Christbaumkugel hab i mir kauft - - „
Alle Blicke ziehen sich auf den Schorschi. So, eine schöne, rote Christbaumkugel hat er gekauft, jawohl, so eine schimmerigglänzende, im Kerzenschein aufglühende.
„Ja“, fährt der Schorschi weiter. „Dö Kugel hab i da in meiner Hosentaschen drin. Bal i den Fuaß abbiagn tät, nachher wär d`Kugel hin…..“
Der feine Herr mit dem Pelzfutterkragen lächelt plötzlich sonnenhell. Das alte Weiblein kichert mit der höchsten Stimme. Die Frau mit dem Beutel lacht laut, und das Gesicht des dicken Mannes leuchtet auf einmal selber wie eine große Christbaumkugel. Unterdessen geht der Schorschi der Plattform zu, alle lassen ihn voraus, sichern ihn vor Druck und Stoß, geleiten ihn.
So trägt er seine Liebkindelkugel in der Hosentasche durch den Wagen.
Oh, du herrliche Christbaumkugel in der Hosentasche!






