Die alte Levensauer Hochbrücke verbindet den Kieler Stadtteil Suchsdorf mit dem Örtchen Levensau auf der nördlichen Seite des Nord-Ostsee-Kanals. Ich mag diese alte Brücke von 1893 irgendwie. Daher wollte ich sie heute als Panorama fotografieren, was ich dann auch getan habe.
In der Galerie findet ihr das Foto dazu.

Jetzt fragt ihr euch sicher: Ja, schön und gut. Aber warum ist das jetzt »sein bisher teuerste Panorama«?
Es ist mit Sicherheit nicht mein aufsehenerregenstes Panorama geworden. Auch nicht mein bestes. Aber ich habe unfreiwillig einen ziemlich hohen finanziellen Aufwand »betrieben«, um an dieses Werk zu kommen.
Ihr seht links im Bild den steilen Anstieg zum Brückenfuss hinauf? Gut. Da oben, etwas unterhalb der Stelle an der der untere rote Bogen in den Grund übergeht, hatte ich für einige vorbereitende Aufnahmen an der Brüstung gestanden. Da ich für die Aufnahmen das Weitwinkel (mFT 9-18) an meiner PEN nutzen wollte, musste zuerst das vorher verwendete Tele (mFT 14-150) runter. Kein Problem. Entriegelungstaste am Bajonett drücken, Teleobjektiv von der Kamera drehen, alle Deckel drauf und ab damit in die flauschig weiche Jackentasche. Schwupp die Wupp, das Weitwinkel drauf, Frontdeckel auch in die Jackentasche und ein paar Aufnahmen damit gemacht. Kein Problem soweit.
Nachdem die Aufnahmen im Kasten sind, trete ich einen Schritt von der Brüstung, auf die ich mich gelehnt hatte, zurück und fische in der Jackentasche nach dem Objektivdeckel für das Weitwinkel. Schnell werde ich fündig und setze ihn gekonnt und zufrieden auf das Objektiv. Alles klar. Doch was ist das für ein Geräusch? Klingt als ob da irgendwas über den Asphalt kullert …
Ja genau. Und zwar mein Teleobjektiv, dass mir bei der Suche nach dem Objektivdeckel für das Weitwinkel unbemerkt aus der Jackentasche geglitten war. Und schon beginnt die wilde Fahrt. Es rollt mit rasant zunehmendem Schwung den steilen Hang hinunter, überschlägt sich dabei, ditscht mehrmals wirklich sehenswert auf und prallt schliesslich, nach Sekunden in denen ich mit schreckgeweiteten Augen nur noch hinterherschauen kann, mit maximaler Wucht auf den Fahrradweg. Der helle Fleck neben dem Motorroller, ungefähr in der Mitte des Weges, zeugt noch von dem Aufprall. Und dann passiert etwas, dass ich nicht für möglich gehalten hätte. Als sei das teure Stück keine Hochleistungsoptik, sondern ein Gummiball, prallt es vom Asphalt des Radweges ab und springt im hohen Bogen über das Geländer und platscht mit einer im Sonnenlicht wunderschön schillernden Fontäne ins Wasser des Nord-Ostsee-Kanals.
Schluck. Na bravo. :-(
Ich mache mich, nach ein paar handfesten Flüchen, also auf den Weg nach unten, zur geplanten Aufnahmeposition für das Pano, auf das ich mich in dem Moment gar nicht mehr so freue wie noch heute Morgen. Eigentlich hatte ich erwartet dort auf dem Radweg wenigstens noch den Objektivdeckel und/oder den Rückdeckel auflesen zu können. Doch nein. Weit gefehlt. Das grausame Schicksal kennt ja kein Erbarmen. Was finde ich also?

Die völlig zerstörte und aus dem Tubus geschlagene Frontlinse!
Damit das ganze nun nicht nur eine ziemlich ärgerliche Geschichte für mich bleibt, hoffe ich, dass ich euch noch einen kleinen lehrreichen Ansatz mit auf den Weg geben kann.
An der Misere bin ich nämlich auch noch doppelt selbst Schuld. Nicht nur dass ich mich beim Kramen in der Jackentasche ungeschickt angestellt habe. Nein. Ich hatte sogar ein Ausrüstungsteil dabei, dass den Absturz der Optik mit ziemlicher Sicherheit verhindert hätte. Wenn, ja wenn, ich es denn auch benutzt hätte.
Gemeint ist ein Objektivköcher, den man per Klettlasche ganz bequem an seinen Gürtel schnallen kann und aus dem das Objektiv erstmal aktiv hätte heraushüpfen müssen, um dann den Hang runter rollen zu können. Wenn ich also diesen Köcher zum Wechseln des Objektivs verwendet hätte, dann wäre das Malheur vermutlich gar nicht passiert. Aber, ich war ja zu faul das Teil aus dem Rucksack zu nehmen, für die paar Aufnahmen. :-/
Hoffentlich lernt ihr also folgendes daraus: Wer die paar Euro für einen ThinkTank LensChanger 25 investiert, und ihn dann auch konsequent benutzt, der kann sich unter Umständen ein paar hundert Euro für den Neuerwerb eines Objektivs ersparen. Und das gilt, wie man sieht, nicht nur für Gipfelstürmer, Dschungelkönige und Luftbildfotografen.
In diesem Sinne: Allzeit gutes Licht und einen wachen Verstand.
P.S.: Wehe es fragt mich jetzt jemand nach dem »Making of«-Video. Grrrr
P.P.S: Ich habe darüber auch in meinem Blog geschrieben.




