Habe beide, E-30 und E-620, die E-30 hat letzten April meine E-510 abgelöst, die E-620 kam später dazu.
Die E-3 war für mich nie in Frage gekommen, weil sie keine nennenswerten bildqualitativen Vorteile gegenüber der E-510 hatte und dann auch noch so extrem klobig und schwer war.
Abdichtung wäre für mich zwar nice to have gewesen, und es ist ein schwerer Fehler, dass Olympus solche Pro-Features nur der größten und schwersten Kamera spendiert (Pentax dagegen hat das mit der K-7 richtig gemacht), aber ich bin jetzt all die Jahre mit nicht explizit gedichteten Kameras gut klargekommen, auch wenn's mal ein bisschen geregnet hat, so dass der Verzicht nicht so schwer fiel. Allein der großartige Sucher der E-3 (die Bildhöhe entspricht visuell einer "Vollformat"-Canon wie der EOS 1Ds MkII !) wäre wirklich ein Pluspunkt, aber viele Gelegenheiten, bei denen man wirklich exakte Scharfstellung benötigt, deckt man heute sowieso mit Liveview-Technik und deren Lupenfunktion ab.
E-30 und E-620 sind zudem beide sowohl sensortechnisch als auch von der Softwareausstattung her wieder eine Entwicklungsstufe weiter als die E-3, so dass diese heute nur noch Sinn macht, wenn man deren Sucher und/oder Abdichtung wirklich unverzichtbar benötigt.
Schon auf die erheblich erweiterte Lichterdynamik der beiden 12-MP-Kameras ab ISO 200 möchte ich heute nicht mehr verzichten, auch wenn sich das leicht ungünstig auf das Rauschverhalten zwischen ISO 200 und 800 ausgewirkt hat.
Nachdem die negativen Erfahrungen mit Objektiven, deren AF nicht genau passt, in den letzten ein, zwei Jahren immer mehr zugenommen haben, würde ich vor allem aber auch auf die AF-Focus-Adjust-Funktion von E-30 und E-620 nicht mehr verzichten wollen. Die E-3 hat sowas nicht, und so muss im Zweifelsfall ein Objektiv, womöglich mitsamt Kamera, zur Justage eingeschickt werden. Olympus scheint es auch nicht für nötig zu halten, ihrem Top-Modell dieses Feature noch via Firmware-Update dazu zu geben.
Wenn die Frage jetzt nicht nach E-3 lautet, sondern so lautet, wie sie im Threadtitel steht, nämlich E-620 oder E-30, dann wird die Antwort für mich allerdings schwieriger. Seit August hab ich beide, und wenn ich eine wieder weggeben müsste, dann fiele mir eine Entscheidung schwer.
Wahrscheinlich würde ich die E-620 behalten, weil sie mir bei gleicher Bildqualität und annähernd ebenso üppiger Ausstattung mehr Freiräume bietet, wenn ich ohne viel Gepäck unterwegs sein möchte, nur mit einem oder zwei Objektiven, was bei mir oft der Fall ist, und dann ist halt meist die E-620 dabei. Denn auch die E-30 ist ja entgegen der Versprechungen des kleinen Four-Thirds-Formats nicht wirklich klein oder leicht, Abmessungen und Gewicht entsprechen in etwa der alten E-1.
Andererseits – und deswegen würde es mir doch schwerfallen – ist die E-30 natürlich klar die bessere Kamera. Der schnellere Verschluss mit der 1/8000 und der 1/250 Blitzsynchronisation, der bessere Sucher (mit dem ein manuelles Scharfstellen wenigstens nicht von vornherein völlig unmöglich ist), der vor allem bei wenig Licht noch bessere AF, der wohl noch etwas effektivere Stabilisator, die noch ein Stück bessere Ergonomie durch eine größere Zahl sinnvoll angeordneter Bedienelemente und das Statusdisplay auf der Oberseite, die elektronische Wasserwaage. Und dann taugt der Hochkant- bzw. Batteriegriff, wenn man auf diese Option Wert legt, eigentlich nur für die E-30 was, der E-620-Griff ist wegen der fehlenden +/--Taste (die ein Ersatz für das fehlende zweite Rädchen der E-30 hätte sein können) nur begrenzt sinnvoll.
Entscheiden muss jeder selbst – aber am Ende läuft es auf eine Entscheidung entweder für die genannten, zusätzlichen Features der E-30 oder für das geringere Gewicht der E-620 hinaus. Gute Kameras sind beide, und trotz ihrer Unterschiede unter dem Strich immer noch sehr ähnlich.
Grüße,
Robert