Seit knapp 2 Wochen hat meine E-PL1 Besuch von 2 potentiellen Nachfolgekandidaten bekommen: Die neue Oly E-PL2 und die Panasonic GH2. Vorweg kann man sagen, dass der kleinen E-PL1 starke Konkurrenz erwachsen ist. Ich möchte jedoch betonen, dass dieser Vergleich keine Plattformdiskussion auslösen soll und das meine Eindrücke natürlich von meinen persönlichen Vorlieben und Ansprüchen beeinflusst sind. Der Vergleich der PEN'S mit der GH hinkt natürlich, trotzdem finde ich es sehr interessant, besonders weil man an der GH2 sehr gut sehen kann, wo die Reise bei den Systemkameras hingeht.
Zunächst einmal zur E-PL2, die ich als schwarzes Modell mit dem neuen Kit-Objektiv 14-42, 3,5-5,6 testen konnte. Daneben standen mir das mZuiko 14-150 und das mZuiko 9-18 zur Verfügung, sowie das Panasonic 14-140.
Die Unterschiede zur E-PL1 und der E-P2 sind hinlänglich bekannt, daher beschränke ich mich nachfolgend auf einige mir aufgefallene Neuheiten bzw. Änderungen.
Die PL-2 sieht in schwarz m.E. sehr gut aus und macht zur E-PL1 einen erwachseneren Eindruck und ist etwas größer. Auch sie verfügt wieder über einen eingebauten Blitz, der nun einen stabileren Eindruck macht. Da der Kamerarücken links abgeschrägt ist, hat man bei ausgeklappten Blitz jedoch das Gefühl, das dieser schief ist und man muss der Versuchung widerstehen, ihn gerade rücken zu wollen.
Das Display, welches nun wie bei der E-P2 3" misst, löst nun erheblich besser auf, weil es nun über 460.000 Pixel verfügt. Bei Sonnenlicht ist das Display jedoch schlechter abzulesen als bei der E-PL1. Vermutlich weil es etwas hervorsteht und nicht wie bei der E-PL1 leicht versenkt wurde. Bei Sonne ist der Sucher m.E. Pflicht, weil es trotz voller Helligkeit extrem schwer ist, etwas zu erkennen. Auffällig ist, dass man bei der E-PL2 die Sucherhelligkeit nicht mehr regeln kann (Display schon) oder ich habe es noch nicht gefunden. Ansonsten gefällt es mir sehr gut.
Anders als die E-PL1 hat die E-PL2 jetzt, wie die E-P2, ein Steuerrad mit 4 Tasten genannt Livewheel, erhalten. Leider hat man ihr nicht das Drehrad zur Belichtungskorrektur der E-P2 spendiert. Man soll damit die Blende/Verschlusszeit oder den Programmshift einstellen können. Man muss dabei jedoch extrem aufpassen, dass man nicht zu stark drückt, weil man ansonsten die unten dem Rad liegen Tasten auslöst. Ich habe die Funktion daher wieder ausgeschaltet und stelle wie bei der PL1 über das Tastenkreuz ein.
Die vordere Griffmulde ist gegenüber der PL1 vergrößert und verlängert worden, so dass die PL2 besser in der Hand liegt. Leider ist das Livewheel so weit an den äußeren Rand gerutscht, das man die Funktion die auf der linken Taste liegt (bei mir die Blitzeinstellungen) schnell einmal verstellt.
Eine interessante Frage ist natürlich die Fokusgeschwindigkeit. Hier muss ich sagen, hat Olympus eine große Schippe nachgelegt. Bei gutem Licht fokussiert die E-PL2 blitzschnell und steht m.E. der GH2 in Nichts nach. Lediglich bei schwachem Licht hat sie etwas Probleme liegt aber gegenüber der E-PL1 und der E-P2 weit vorne.
Die E-PL2 hat, wie ihre Vorgängerin, keinen Lagesensor, so dass hochkant aufgenommene Bilder manuell gedreht werden müssen. Schade aber verschmerzbar.
In Sachen Bildqualität war die E-PL1 m.E. schon gut, bei der E-PL2 habe ich den Eindruck, dass diese noch etwas verbessert wurde. Besonders bei schwachem Licht belichtet sie etwas besser und die Bilder sind bis ISO 1600 gut und auch bei ISO 3200 noch brauchbar. Bei der E-P2 und auch der E-PL1 war nach meinem Gefühl bei 800 max. 1600 Schluss.
Das neue 14-41 3,5-5,6 ist noch etwas kleiner als sein Vorgänger und man schon aufpassen, dass man den Objektivdeckel nicht verkramt. Bei der Bildqualität macht es nach meinen Eindrücken eine gute Figur und das Zoomgeräusch ist bei Videos so gut wie nicht zu hören.
Kommen wir nun zur Panasonic GH2, die gegenüber der E-PL2 schon ein größerer Brocken ist. Besonders mit dem Pana 14-140 topt sie vom Gewicht meine E-620 mit 14-42 und liegt nur knapp unter der E-620 mit 18-180. Auch die Größe ist nur minimal geringer. Passt die E-PL2 noch gerade in die Jackentasche wird es bei der GH2 schon eng bzw. es geht gar nicht mehr.
Dafür liegt die GH2 sehr gut in der Hand, weil sie einen gut ausgeprägten Griff hat und liegt damit sogar besser als die E-620 ohne Batteriegriff in der Hand (was aber auf die Hände ankommt).
Panasonic hat der Kamera sehr viele Schalter und Knöpfe spendiert, die 1. sinnvoll sind und 2. den Weg über das Menü fast unnötig machen. 3 frei belegbare Tasten sind ebenfalls vorhanden und man hat die Möglichkeit persönliche Einstellungen auf 3 unterschiedliche Programmplätze zu legen, die man bequem über das Prpogrammwahlrad abrufen kann.
Sehr gut und praktisch ist das hintere Einstellrad zum Wechsel der Blende/Verschlusszeit.
Die vielen Schalter auf dem kleinen Gehäuse haben jedoch auch einen Nachteil. Sehr schnell kommt man an die Hebel - besonders rechts an den Hebel für Einzel- oder Serienaufnahmen - so dass sich mal schnell etwas verstellt. Ärgerlich, wenn der Hebel auf den Hi-Speedmodus geschoben wird und man in einer Sekunde 40 Bilder im Kasten hat. Wobei der Modus als solches (bei geringerer Auflösung) interessant ist.
Das schwenkbare 3" Display löst sehr gut auf und ist m.E. trotz der gleichen Pixelanzahl gegenüber der E-PL2 noch etwas ruhiger und detailreicher. Auch sind die Einstellungen bei starkem Sonnenlicht besser, so das man das Display auch dann noch gut ablesen kann.
Zusätzlich verfügt die GH2 über einen brillianten Sucher mit 100% Sichtfeld. Gegenüber dem VF-2 von Olympus der mit 1,44 Mio. Pixeln schon sehr gut auflöst, verfügt dieser über 1,53 Mio Pixeln. Der Sucher ist m.E. etwas dunkel, was man aber nachregeln kann. Gegenüber dem VF-2 an der PEN ist das Bild etwas ruhiger und natürlicher. Der VF-2 hat mir heute immer einen blauen Himmel statt der hohen Wolkendecke gezeigt.
Sehr gelungen finde ich den Annäherungssensor an der GH2, der dafür sorgt, dass die Anzeige von Display auf Sucher umgeschaltet wird, wenn man die Kamera ans Auge hält.
Die GH2 verfügt über ein Touchdisplay, welches eine Bedienung mit den Fingern ermöglichen soll. Mein Eindruck: Ein nettes Gimmick. Bezeichnenderweise legt Panasonic einen kleinen Stift zur Bedienung dabei. Sieht bestimmt lustig aus, wenn jemand beim Shooting mit einem Stiftchen auf seiner Kamera rumdrückt. Ich habe z.B. die Kompaktkamera FX550 von Panasonic, wo das Touchbedienkonzept erheblich besser umgesetzt wurde. Allenfalls das Auslösen per Touch, sowie in manchen Fällen vielleicht auch die Auswahl des zu fokussierenden Bereichs, mögen sinnvoll zu benutzen zu sein. Alles andere erledigt man über das wirklich gute Quickmenü oder den Favoritenmenü in dem die zuletzt aufgerufenen Menüpunkte aufgelistet sind. Aber durch die vielen Hebel und Direkttasten muss man sowieso fast nie in die Menüs.
Betrachtet man die GH2 anhand der Ausstattung und dem Handling, würde ich sagen, dass sie vielen DSLR ebenbürtig bzw. einigen sogar überlegen ist und man nichts vermisst. Besonders die Vielzahl an unterschiedlichen Fokussiermöglichkeiten, die vielen Schalter und Knöpfe und das gesamte Bedienkonzept können mich überzeugen. Ebenso die Möglichkeit der vielen Belichtungseinstellungen (z.B. iISO=Die Kamera wählt die bestmögliche Kombination aus Empfindlichkeit, Blende und Verschlusszeit entsprechend dem gemessenen Umgebungslicht) oder den umfangreichen Einstellungen für Belichtungsreihen.
Die allseits gelobte Fokusgeschwindigkeit kann ich uneingeschränkt bestätigen. Die GH2 stellt auch meine E-30 mit dem 12-60 in den Schatten, besonders bei weniger Licht.
Aber das allein ist allenfalls die halbe Miete, wenn die Bildqualität nicht stimmt. Eines vorweg: Die GH2 macht in Sachen BQ auf mich keinen schlechten Eindruck, haut mich aber auch nicht vom Hocker.
Man liest über die G-Serie von Panasonic, dass die JPG's nicht verwendbar sind. Das kann ich bei der GH2 zwar nicht voll bestätigen aber in den meisten Fällen ist RAW wohl vorzuziehen. Die JPG machen oftmals einen stark bearbeiteten und auch blassen Eindruck. Die RAW's dagegen sind durchweg immer etwas unterbelichtet, so dass man entweder immer nachbearbeiten muss oder von Haus aus etwas überlichten sollte, was jedoch auf die Details gehen kann.
Ich habe an der GH2 die Olympusobjektive mZuiko 9-18 und mZuiko 14-150 sowie das Panasonic 14-140 getestet.
Das Panasonicobjektiv ist im Vergleich zum 14-150 von Olympus ein wahrer Klopper und wiegt 1,5x soviel wie die Kamera. Zudem wird der Zoom von rechts nach links eingestellt, also andersherum als bei allen anderen Herstellern. Wenn man die Kamera häufig wechselt muss man also immer umdenken.
Das 14-150 und das 14-140 sind an der PEN selbst beim Vergleich in größter Vergrößerung nahezu gleich und unter normalen Bedingungen ist kein Unterschied zu erkennen. Gleiches gilt für die Fokusgeschwindigkeit. Wer also nach meiner Meinung für seine PEN das Pana 14-140 wählt, muss einen Hang zum Schleppen haben 8Oder legt wert auf den Objektivbeutel und die mitgelieferte Sonnenblende, was Olympus leider ja nicht mehr beilegt).
An der GH2 sieht es anders aus. Hier sind die Bilder mit dem Olympus 14-150 immer zu hell. Zudem werden die Bilder die mit den Olympusobjektiven im Hochformat aufgenommen wurden, nicht gedreht. Ich dachte bis heute mFT ist mFT und alles Funktionen sind gleich, egal welches Objektiv man verwendet.
Vergleicht man die JPG's aus der E-PL2 mit der GH2 sind diese ähnlich gut. Die Bewertung hängt sicherlich stark von den persönlichen Vorlieben ab. Interessant ist, dass die GH2 ihren vermeintlichen Vorteil mit 18 Megapixeln nicht ausspielen kann. Ich hatte es auch nicht erwartet sondern eher die Vermutung, dass die BQ noch stärker leidet.
Im direktem Vergleich sind die JPG's der PL-2 nach meinem Eindruck besser und die RAW erheblich detailreicher.
Mein persönliches Fazit:
Wer sich für eine PEN interessiert, der landet bei der E-PL2. Gegenüber der E-PL1 und der E-P2 hat sie das erheblich bessere Display und einen schnelleren Fokus sowie m.E. eine noch bessere BQ. Und nicht zu vergessen: den absolut tollen Dramatic Art Filter. Habe ich diese bisher nie gebraucht, so ist dieser Filter doch sehr interessant. Nur wer eine elektronische Wasserwaage benötigt und/oder auf das Einstellrad nicht verzichten will/kann, für den steht noch die E-P2 als Alternative bereit.
Wer sich komplett für ein neues System entscheiden muss oder will, findet in der GH2 bestimmt eine tolle Kamera für fast alle Gelegenheiten. Gegenüber den PEN's ist sie, wenn sie als alleiniges System gedacht ist, kompletter und hat den besseren eingebauten Blitz. Allein das 14-140 schreckt wegen seiner Größen und vor allem dem Gewicht ab. Mit dem 14-42 oder dem 9-18 von Olympus ist man voll ausgestattet und leicht unterwegs. Und wer großen Wert auf Video legt, kommt m.E. an einem Panasonicsystem derzeit nicht vorbei.
Wenn Olympus die Qualität der E-PL2 in eine entsprechend ausgestattete Systemkamera überträgt, würde ich ich mit hoher Wahrscheinlichkeit meine E-30 in Rente schicken.
Derzeit muss ich mich entscheiden, wer sie als Zweitgerät begleiten darf die PL2 oder die GH2.
Meine E-620 kann auf jeden Fall in Rente und die E-PL1 wird auch einen neuen Besitzer finden.
Ich habe die Kameras noch ein paar Tage da. Wenn ich also noch etwas ausprobieren soll, mache ich das gern.






