Danke an Oliver für den Hinweis auf die "Haptik"! Haptik, wo man sie nicht einfach Ergonomie nennen kann und muss, umfasst Geschmacksachen bis hin zur Esoterik – das hat für mich keinen großen Einfluss auf die Entscheidung für oder gegen ein Werkzeug, wie es eine Kamera für mich nun mal ist, auch wenn ich sie in der Regel nicht zum Geldverdienen, sondern zum Spaß benutze.
Überhaupt ist eine Kamera "in die Hand zu nehmen" in meinen Augen zu allerletzt ein geeignetes Verfahren, um deren Tauglichkeit für meine Anwendungsgebiete zu beurteilen. Ergonomisch völlig untaugliche DSLRs gibt es schlichtweg nicht, und eher gewöhne ich mich an eine zunächst etwas gewöhnungsbedürftige Form, Griffweise oder Handhabung, als dass ich ich aus solchen Gründen auf Bildqualität oder nützlichen Funktionsumfang verzichten wollen würde.
Das mag natürlich jeder halten wie er individuell möchte – ich empfehle es, damit niemand Gefahr läuft, eine Entscheidung später zu bereuen, wenn er sähe, dass er nur wegen zumeist gewöhnungsfähiger Äußerlichkeiten auf nützliche Funktionalität verzichtet oder gar Nachteile in der Bildqualität in Kauf genommen hätte, aber ganz sicher niemandem.
Mein Tipp wäre: Die technischen, ausstattungsmäßigen und bildqualitativen Aspekte und Unterschiede vergleichen, auf dieser Basis eine Entscheidung treffen, und dann vielleicht mal in einen Laden gehen und diese Kamera in die Hand nehmen – und wenn das dann wider Erwarten eine ergonomische Katastrophe ist und irgendwie gar nicht geht, dann ist immer noch Gelegenheit für einen Plan B.
Zu den beiden Kameras!
Ich fotografiere mit beiden nun regelmäßig seit über einem Jahr, und manches, was bereits gesagt wurde, kann ich bestätigen, anderes nicht. Ich versuche mein Urteil mal kürzer zu machen als die einleitenden Worte oben:
Die E-620 ist eine sehr feine, kleine Kamera, aber die E-30 ist eine ganze Kategorie besser. Bei den aktuellen Preisen würde ich nur dem noch zur E-620 raten, dem es sehr auf die Kompaktheit und das geringe Gewicht ankommt oder der den Mehrpreis wirklich nicht aufbringen kann oder will.
Warum ist die E-30 so viel besser?
Wegen dem erheblich besseren Sucher (der E-620-Sucher ist zum manuellen Fokussieren ungeeignet), dem schnelleren Verschluss, dem besseren Autofocus (nicht nur die Zahl der Messfelder, sondern auch die Funktion bei nachlassendem Licht bzw. Kontrast), der schnelleren Datenverarbeitung insbesondere bei Serienaufnahmen, und auch der besseren Bedienung durch mehr und sinnvoller angeordnete Bedienelemente wie ein zweites Rädchen sowie ein zusätzliches Oberseitendisplay. All das macht die E-30 ganz objektiv zu einem professionelleren, vielseitigeren und performanteren Werkzeug, als es die E-620 ist.
Die im Thread angedeuteten bildqualitativen Unterschiede zwischen E-620 und E-30 kann ich übrigens nicht bestätigen, beide sind bei mir zumindest vom RAW ausgehend nicht unterscheidbar; wenn die zuvor beschriebenen Beobachtungen korrekt wiedergegeben sind, liegen die entweder in leicht unterschiedlich abgestimmten JPEG-Engines begründet, oder aber es gibt eine dementsprechende Serienstreuung (was ich durchaus im Bereich des Möglichen sehe, nachdem schon bei der E-300 der begründete Verdacht bestand, dass über die Zeit ihrer Marktpräsenz Sensoren mit unterschiedlichem Rauschniveau verbaut wurden).
Ach ja, und den Batteriegriff für die E-620, den HLD-5, halte ich für eines der überflüssigsten, ja ärgerlichsten Stücke Zubehör, die Olympus jemals herausgebracht hat, und da habe ich vom Listenpreis für das bisschen billiges Hohlplastik noch gar nicht gesprochen, der ist pure Kundenverhöhnung. Warum? Der einzige Handlingvorteil, der sich damit ergibt, ist neben dem etwas komfortableren In-der-Hand-Tragen einer Kombination mit längerer Telebrennweite das Hochkantauslösen – aber nur, solange man keine Belichtungskorrektur zu verändern hat und nicht im M-Modus fotografiert und die jeweils nicht auf dem Rädchen liegende Größe aus Zeit oder Blende verändern möchte, sonst muss man sich nämlich jedesmal entweder grob verrenken oder aber die Kamera erstmal wieder ins Querformat bringen, um den +/- Knopf zu drücken, den man am Batterigriff einzubauen "vergessen" hat. Nee – dann lieber zwei, drei Ersatzakkus in die Hosentasche und gut ist. Für das Geld gehe ich lieber ein paar mal gut essen, und für den Preis kann man schon ein paar mal richtig gut essen gehen! ;-)
Schöne Grüße,
Robert