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E-M1 Mark II: AF-Praxis auf Lesbos (BiF)

1. März 2018 - 21:26

Nachdem hier immer über wieder Probleme mit dem AF der M1 II geklagt wurden, möchte ich hier meine Erfahrungen einbringen. Ich war zusammen mit drei weiteren Kollegen Ende April/Anfang Mai auf der griechischen Insel Lesbos um dort die Vogelwelt zu fotografieren. Zum ersten Mal hatte ich das 4/300 dabei, das mein heiss geliebtes 2,8/300 abgelöst hat. Der deutlich schnellere Autofokus und die Möglichkeit ProCapture einzusetzen waren die Gründe für den Wechsel. Nachdem ich bereits das vierte Mal auf Lesbos war, wusste ich, worauf ich meine fotografischen Schwerpunkt legen wollte: Aktions- und Flugaufnahmen hatte Priorität und wir hatten dann nach ein paar Tagen „Warmschiessen“ auf die langsameren Objekte wie Seiden- und Silberreiher, Schwarzstörche und Schlangenadler endlich die Gelegenheit die Mark II mit dem neuen 300er richtig auszureizen: An einem kleineren Fluss  waren ein Trupp Weissflügelseeschwalben (ca. 9 Exemplare) auf der Futtersuche, dazu flogen sie sehr schnell und mit irren Flugmanövern (rechts - links, rauf und runter) um Insekten und Larven von der Wasseroberfläche aufzunehmen. Auf diesem Foto kann man erahnen, wie das ausgesehen hat.

Dieser Trupp flog etwa 45 Minuten immer wieder den Fluss hinauf und hinunter, somit eine ideale Möglichkeit, die Kamera und deren Autofokus perfekt einstellen zu können. Dass hier nur der C-AF in Frage kam, war klar, dann aber wieviele AF-Felder? Zuerst meine bisher benutzen 9 Felder, das war aber unmöglich, da die Vögel derart schnell waren und die Flugmanöver so unberechenbar, dass es vollste Konzentration erforderte, eine Seeschwalbe überhaupt im Sucher behalten zu können (bei 420 mm nicht ganz einfach…) und somit auch noch das Platzieren der AF-Felder auf den Kopf des Vogels absolut unmöglich war. Also Einstellung auf „alle Felder“ mit der Cluster-Einstellung und Vögel anpeilen - dabei merkte ich sehr schnell, dass es am besten war, wenn man einen Vogel möglichst früh ins Visier nahm, den AF scharfstellen ließ (was sehr gut funktionierte) und ihn dann die ganze Zeit im Sucher mit aktiviertem AF verfolgte. Das klappte hervorragend und ich war sehr überrascht wie gut der AF sich am Motiv festkrallte und ich gestochen scharfe Bilder von diesen akrobatischen Flugmanövern erhielt - trotz des z. T. sehr unruhigen Hintergrundes.

Ich war voll damit beschäftigt, die Vögel überhaupt im Sucher verfolgen zu können, die Sache war von der Konzentration unglaublich anstrengend, physisch war das kein Problem, da die Kamera und das 300er ja nicht besonders schwer sind. Wir drei Olympus-Fotografen war übrigens die einzigen, die die Flugaufnahmen fotografierten, die anderen Canon- und Nikon-Benutzer, die dem Schauspiel ebenfalls beiwohnten, hatten es längst aufgegeben, zu fotografieren, da selbst eine Canon EOS-7D Mark II mit einem 4/500 einfach zu schwer und zu unhandlich waren um den Seeschwalben zu folgen - selbstredend, dass diese Fotos nur freihändig machbar waren, kein Wimberley-Kopf oder selbst ein Einbein-Stativ war nicht zu gebrauchen, da viel zu langsam und unhandlich.

Nach ca. einer halben Stunde wurde das Wasser immer glatter, da der Wind nachliess, und nun konnte man die Vögel mit Spieglung im Wasser fotografieren - als ob es ohne nicht schon schwierig genug wäre…

aber auch das ließ sich realisieren und zum Schluß gesellten sich noch ein paar Weißbartseeschwalben hinzu und da gelangen mir auch noch ein paar schöne Treffer.

Fazit: In den ca. 45 Minuten habe ich 3.500 Fotos gemacht, davon „überlebten“ dann 1.200 Bilder die ersten Sichtungen. Der Ausschuss mangels Schärfe betrug ca. 30 %, was bei diesen Motiven in meinen Augen sensationell wenig ist, bei den anderen gelöschten Aufnahmen waren Flügel abgeschnitten, die Haltung unfotogen, der Hintergrund zu unruhig usw. also nicht der Kamera anzulasten. Ich bin auf jeden Fall sehr zufrieden und konnte Fotos produzieren, die ich bis dahin noch mit keiner anderen Kamera zustande brachte (Canon-DSLRs EOS-1er und 7D).

Die Kamera-Einstellungen: C-AF, alle AF-Felder mit Cluster, C-AF Empfindlichkeit auf +2, Serienbild L wegen AF-Nachführung, Verschlusszeiten nicht unter einer 1/4.000s, d. h. ISO-Werte von 800 bis 1.600, selbst bei Sonnenschein.

Am Schluß noch ein Beweis wie gut der AF ist, wenn sich ein schnelles Objekt direkt auf einem zubewegt.

Rötelschwalbe

Rauchschwalbe.

Generell ein Wort zum Arbeiten mit dem AF der E-M1 II: Ruhende Vögel oder solche, die sich nicht auf mich zu oder von mir weg bewegen nehme ich jetzt immer mit S-AF auf, die Treffsicherheit ist viel größer als mit C-AF (bei meinen Canon-Kameras habe ich nie den OneShot-Modus benutzt). Dazu habe ich den FN-Schalter im Zahnradmodus B > FN-Schalterfunktion > Modus 2 belegt, so dass ich mit diesem Schalter schnell zwischen C-AF und S-AF hin- und herschalten kann. Im Modus C-AF benutze ich hauptsächlich das 9er-Feld, damit habe ich die besten Erfahrungen gemacht, das Einzelfeld benutze ich nur noch bei S-AF. Bei ganz ruhigen Motiven setze ich auch ganz gerne den MF-Modus ein (mit Lupe), das macht Spaß und bringt beste Ergebnisse.

Alles in allem bin ich sehr glücklich mit der E-M1 II und ich sehe momentan keine Alternative auf dem gesamten Kameramarkt - bezogen auf meine bevorzugten Motive und Brennweiten. Das 4/300 und auch das 2,8/40-150 sind absolut alternativlos und damit scheiden Fuji und Sony schon mal aus, Panasonic hat in diesen Brennweitenbereichen leider sichtbare optische Nachteile. Canon und Nikon kommen schon mal nicht in Frage, da viel zu groß und zu schwer und mit Spiegel geht schon gar nicht mehr...

Gruss

Axel

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2. März 2018 - 21:14 changed 2. März 2018 - 21:16

Hallo Ingo,

das ist ja auch ein Grund, warum wir auf Lesbos waren. Die Auswahl an Motiven und die Möglichkeit sie zu fotografieren ist einfach toll - allerdings haben die Vögel dort auch ihre Fluchtdistanzen und Kenntnisse über Tiere und Landschaft sind ebenso von Vorteil wie hierzulande. Um fotografisch gewappnet zu sein, trainiere ich immer die letzen Wochen bei uns am Bodensee und übe Flugaufnahmen mit den Möwen, die es dort gibt. Denn ich möchte auf gar keinen Fall ein gutes Foto versäumen, nur weil ich ausser Übung bin...

Hier zum neidisch machen eine kleine Auswahl der dort fotografierten Vögel: Seiden-, Silber-, Purpur- und Nachtreiher, Zwergrohrdommel, Große Rohrdommel, Schwarzstorch, Rosaflamingos, Säbelschnäbler, Stelzenläufer, Spornkiebitz, Bruchwasserläufer, Kampfläufer, Zwergstrandläufer, Brauner Sichler, Fluß-, Sand- und Seeregenpfeifer, Bienenfresser, Rotflügelbrachschwalbe, Schlangenadler, Rohr- und Wiesenweihe, Eleonorenfalke, Wiedehopf, Zwergohreule, Waldohreule, Steinkauz, Braun- und Schwarzkehchen, verschiedene Schafstelzen, Grasmücken und Steinschmätzer... und noch einige mehr.

Dieses Jahr sind wir ab Ende April gut zwei Wochen im Donaudelta in Rumänien am Schweren Meer, da war ich noch nie - wird sehr spannend!

Gruss

Axel

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2. März 2018 - 21:34 changed 2. März 2018 - 21:34

Glückwunsc, da kann man nur neidisch sein bei der Auswahl

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2. März 2018 - 21:15 changed 2. März 2018 - 21:15

Hervorragende Bilder Axel und Danke für deinen Erfahrungsbericht.

LG

Train-Shooter

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3. März 2018 - 20:55 changed 3. März 2018 - 20:57

Ich möchte mich hier an dieser Stelle bedanken. Habe heute die Einstellungstipps von Axel (C-AF Cluster, AF-Empf. +2 und kurze Belichtungszeiten) probiert und kann nur sagen, bin begeistert!

Hier meine Auswahl:
http://www.pit-photography.de/public/20180303_wasservoegel_neckar/

Die fliegenden und landenden Vögel wurde mit Cluster-AF und die im Wasser dümpelnden oder spritzenden mit S-AF EInzel-AF klein. Dank Firmware ist die Trefferquote höher.

Danke Axel für den Tipp und Danke Olympus für die Firmware!

Gruß Pit

Antworten Zitieren 3 Kommentare
3. März 2018 - 21:43 changed 3. März 2018 - 21:43

klasse. Danke für deine Erfahrung.

Ich ich teste die Einstellungen morgen.

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3. März 2018 - 21:58 changed 3. März 2018 - 21:58

Wird schon klappen morgen ;-)

Gruß Pit

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3. März 2018 - 21:46 changed 3. März 2018 - 21:46

Schaun gut aus deine Bilder. Mich würde noch interessieren mit welchen Verschluss du arbeitest Mechanisch? AntiSchock?... Und hast du Stabi an oder aus?

Gruß Manfred.

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3. März 2018 - 21:57 changed 3. März 2018 - 21:56

Verschluss elektronisch, Stabi an.

Gruß Pit

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4. März 2018 - 18:03 changed 4. März 2018 - 18:03

Hallo Pit,

na super, da hat sich mein Beitrag schon gelohnt - so etwas freut mich ganz besonders; und die E-M1 Mark II hat grosses Potenzial, bin mal gespannt, wie sie mit der neuen Firmware bei mir funktioniert.

Übrigens: Bildstabi ist bei mir immer an.

Gruss

Axel

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6. März 2018 - 11:54 changed 6. März 2018 - 11:54

Also ich war am Sonntag am See und konnte einige gute Flugaufnahmen machen.

C-AF mit allen AF-Felder hat sehr gut funktioniert - es waren aber auch Gänse und Schwäne, zudem recht nah - das hat sehr gut funktioniert!

Bei Vögeln weiter weg musste ich mal aufs 9er Feld wechseln, um den Bereich einzuschränken.

In Summe war ich sehr zufrieden. Nur sehr sehr wenig Bilder die unscharf waren. Wenn ich was aussortiert habe, dann weil ungünstige Position / mal ein abgeschnittener Flügel.

Erschreckend ist die Geschwindigkeit von 18 fps mit elektronischem Verschluss. Die Speicherkarte ist oo schnell voll.

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6. März 2018 - 11:59 changed 6. März 2018 - 11:59

Erschreckend ist die Geschwindigkeit von 18 fps mit elektronischem Verschluss. Die Speicherkarte ist oo schnell voll.

*grins* ;-)

Du kannst ja in der Einstellung auch die maximale Anzahl der Serienaufnahmen festlegen oder die Framerate verringern.

Gruß Pit

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6. März 2018 - 12:05 changed 6. März 2018 - 12:05

Ich hatte mal vom mechanischen auf den elektronischen Verschluss umgestellt (wegen des Auslösegeräusches) und munter drauflosfotografiert. Da man nichts hört, hat man überhaupt keine Ahnung wieviele Fotos man macht. Die Bildfrequenz wurde dabei auch erhöht und in 3 Minuten hatte ich 700 Fotos auf der Speicherkarte... Daraufhin musste ich erst einmal ein paar Einstellungen korrigieren ;-)))

Gruss

Axel

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5. März 2018 - 17:42 changed 5. März 2018 - 17:44

Hallo Axel

Danke für den guten, fundierten Bericht mit den überzeugenden Aufnahmen.

Speziellen Dank für den Tipp mit dem FN-Schalter als AF Umschalter. - Sehr Praxisgerecht ;-)

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9. März 2018 - 20:00 changed 9. März 2018 - 20:00

Ein recht herzlicher Dank auch von mir in die Runde.

Ich lerne viel hier und ich finde es prima, wenn User wie Axel und auch andere ihre Erfahrungen weiter geben.

Keine Geheimniskrämerei sondern ein offener Austausch - sowas gefällt bestimmt nicht nur mir;-))

Die Einstellmöglichkeiten sind mehr als komplex. Welch sehr gute Ergebnisse zu erzielen sind zeigen die tollen Bildbeispiele.

Danke Rainer

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