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Axel Kottal

E-M1 Mark II: AF-Praxis auf Lesbos (BiF)

Empfohlene Beiträge

Nachdem hier immer über wieder Probleme mit dem AF der M1 II geklagt wurden, möchte ich hier meine Erfahrungen einbringen. Ich war zusammen mit drei weiteren Kollegen Ende April/Anfang Mai auf der griechischen Insel Lesbos um dort die Vogelwelt zu fotografieren. Zum ersten Mal hatte ich das 4/300 dabei, das mein heiss geliebtes 2,8/300 abgelöst hat. Der deutlich schnellere Autofokus und die Möglichkeit ProCapture einzusetzen waren die Gründe für den Wechsel. Nachdem ich bereits das vierte Mal auf Lesbos war, wusste ich, worauf ich meine fotografischen Schwerpunkt legen wollte: Aktions- und Flugaufnahmen hatte Priorität und wir hatten dann nach ein paar Tagen „Warmschiessen“ auf die langsameren Objekte wie Seiden- und Silberreiher, Schwarzstörche und Schlangenadler endlich die Gelegenheit die Mark II mit dem neuen 300er richtig auszureizen: An einem kleineren Fluss waren ein Trupp Weissflügelseeschwalben (ca. 9 Exemplare) auf der Futtersuche, dazu flogen sie sehr schnell und mit irren Flugmanövern (rechts - links, rauf und runter) um Insekten und Larven von der Wasseroberfläche aufzunehmen. Auf diesem Foto kann man erahnen, wie das ausgesehen hat.

Dieser Trupp flog etwa 45 Minuten immer wieder den Fluss hinauf und hinunter, somit eine ideale Möglichkeit, die Kamera und deren Autofokus perfekt einstellen zu können. Dass hier nur der C-AF in Frage kam, war klar, dann aber wieviele AF-Felder? Zuerst meine bisher benutzen 9 Felder, das war aber unmöglich, da die Vögel derart schnell waren und die Flugmanöver so unberechenbar, dass es vollste Konzentration erforderte, eine Seeschwalbe überhaupt im Sucher behalten zu können (bei 420 mm nicht ganz einfach…) und somit auch noch das Platzieren der AF-Felder auf den Kopf des Vogels absolut unmöglich war. Also Einstellung auf „alle Felder“ mit der Cluster-Einstellung und Vögel anpeilen - dabei merkte ich sehr schnell, dass es am besten war, wenn man einen Vogel möglichst früh ins Visier nahm, den AF scharfstellen ließ (was sehr gut funktionierte) und ihn dann die ganze Zeit im Sucher mit aktiviertem AF verfolgte. Das klappte hervorragend und ich war sehr überrascht wie gut der AF sich am Motiv festkrallte und ich gestochen scharfe Bilder von diesen akrobatischen Flugmanövern erhielt - trotz des z. T. sehr unruhigen Hintergrundes.

Ich war voll damit beschäftigt, die Vögel überhaupt im Sucher verfolgen zu können, die Sache war von der Konzentration unglaublich anstrengend, physisch war das kein Problem, da die Kamera und das 300er ja nicht besonders schwer sind. Wir drei Olympus-Fotografen war übrigens die einzigen, die die Flugaufnahmen fotografierten, die anderen Canon- und Nikon-Benutzer, die dem Schauspiel ebenfalls beiwohnten, hatten es längst aufgegeben, zu fotografieren, da selbst eine Canon EOS-7D Mark II mit einem 4/500 einfach zu schwer und zu unhandlich waren um den Seeschwalben zu folgen - selbstredend, dass diese Fotos nur freihändig machbar waren, kein Wimberley-Kopf oder selbst ein Einbein-Stativ war nicht zu gebrauchen, da viel zu langsam und unhandlich.

Nach ca. einer halben Stunde wurde das Wasser immer glatter, da der Wind nachliess, und nun konnte man die Vögel mit Spieglung im Wasser fotografieren - als ob es ohne nicht schon schwierig genug wäre…

aber auch das ließ sich realisieren und zum Schluß gesellten sich noch ein paar Weißbartseeschwalben hinzu und da gelangen mir auch noch ein paar schöne Treffer.

Fazit: In den ca. 45 Minuten habe ich 3.500 Fotos gemacht, davon „überlebten“ dann 1.200 Bilder die ersten Sichtungen. Der Ausschuss mangels Schärfe betrug ca. 30 %, was bei diesen Motiven in meinen Augen sensationell wenig ist, bei den anderen gelöschten Aufnahmen waren Flügel abgeschnitten, die Haltung unfotogen, der Hintergrund zu unruhig usw. also nicht der Kamera anzulasten. Ich bin auf jeden Fall sehr zufrieden und konnte Fotos produzieren, die ich bis dahin noch mit keiner anderen Kamera zustande brachte (Canon-DSLRs EOS-1er und 7D).

Die Kamera-Einstellungen: C-AF, alle AF-Felder mit Cluster, C-AF Empfindlichkeit auf +2, Serienbild L wegen AF-Nachführung, Verschlusszeiten nicht unter einer 1/4.000s, d. h. ISO-Werte von 800 bis 1.600, selbst bei Sonnenschein.

Am Schluß noch ein Beweis wie gut der AF ist, wenn sich ein schnelles Objekt direkt auf einem zubewegt.

Rötelschwalbe

Rauchschwalbe.

Generell ein Wort zum Arbeiten mit dem AF der E-M1 II: Ruhende Vögel oder solche, die sich nicht auf mich zu oder von mir weg bewegen nehme ich jetzt immer mit S-AF auf, die Treffsicherheit ist viel größer als mit C-AF (bei meinen Canon-Kameras habe ich nie den OneShot-Modus benutzt). Dazu habe ich den FN-Schalter im Zahnradmodus B > FN-Schalterfunktion > Modus 2 belegt, so dass ich mit diesem Schalter schnell zwischen C-AF und S-AF hin- und herschalten kann. Im Modus C-AF benutze ich hauptsächlich das 9er-Feld, damit habe ich die besten Erfahrungen gemacht, das Einzelfeld benutze ich nur noch bei S-AF. Bei ganz ruhigen Motiven setze ich auch ganz gerne den MF-Modus ein (mit Lupe), das macht Spaß und bringt beste Ergebnisse.

Alles in allem bin ich sehr glücklich mit der E-M1 II und ich sehe momentan keine Alternative auf dem gesamten Kameramarkt - bezogen auf meine bevorzugten Motive und Brennweiten. Das 4/300 und auch das 2,8/40-150 sind absolut alternativlos und damit scheiden Fuji und Sony schon mal aus, Panasonic hat in diesen Brennweitenbereichen leider sichtbare optische Nachteile. Canon und Nikon kommen schon mal nicht in Frage, da viel zu groß und zu schwer und mit Spiegel geht schon gar nicht mehr...

Gruss

Axel


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Hallo Axel,

vielen Dank für Deinen umfassenden und sehr informativen Bericht - und natürlich auch für die wunderschönen Flugfotos! :-)

Tja, selbst mit der "alten" Firmware hast Du es wunderbar geschafft, auch kleine Vögel im Flug mit der E-M1 II bestens abzulichten... ;-) Falls ich mich einmal trauen und selber an gefiederte Flugobjekte versuchen sollte, werde ich sicherlich auf Deinen Beitrag zurückgreifen :-)

Nochmals herzlichen Dank und viele Grüße

Wolfgang


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Danke für den tollen Erfahrungsbericht und die sensationellen Fotos, insbesondere die mit der Spiegelung.

Deine Erfahrung was C-AF mit allen Feldern angeht, kann ich nur bestätigen, insbesondere bei Vögeln funktioniert das meiner Erfahrung nach entweder gar nicht oder sehr sehr viel besser als man das bei allen Feldern erwarten würde.


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Vielen Dank für Deinen tollen Bericht!

2 Fragen:

Hast Du auch C-AF+ Tracking verwendet? (Ich vermute, eher nicht?)

Hast Du die Parameter beim C-AF geändert, oder damit experimentiert? ("C-AF Empfindlichkeit plus oder minus?) Oder einfach auf Null gelassen?

lG

Harald


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Ergänzung: Wenn ich richtig verstanden habe, müsste bei so unregelmäßigen Vogelbewegungen plus 1 oder plus 2 ev. Vorteile bringen....

lG

Harald


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Hallo Harald,

wie geschrieben bei der AF-Empfindlichkeit habe ich +2 eingestellt, weil damit die Reaktion auf die extrem schnellen Bewegungen am besten war, -2 beispielsweise ist spürbar langsamer.

AF-Tracking funktioniert nur einigermaßen, wenn die Kamera NICHT bewegt wird und sich das Objekt im Sucher bewegt.

Gruss

Axel


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Die Kamera-Einstellungen: C-AF, alle AF-Felder mit Cluster, C-AF Empfindlichkeit auf +2, Serienbild L wegen AF-Nachführung, Verschlusszeiten nicht unter einer 1/4.000s, d. h. ISO-Werte von 800 bis 1.600, selbst bei Sonnenschein.

Danke für's Zeigen Axel und das ist exakt auch meine Erfahrung nur das ich auf Flugveranstaltungen Modellflugzeuge ablichte. Die Cluster-Nachführung funktioniert auch bei mir am Sichersten. Mit der Trackingfunktion stehe ich scheinbar, mit diesen Motiven, auf Kriegsfuß obwohl das Objekt erfasst wird und anschließend die Schärfe eben doch daneben liegt. Beim Cluster habe ich eine deutlich höhere Trefferquote und nur minimal daneben liegende Schärfe, was aber völlig okay ist in Anbetracht der schnell fliegenden Flugmodelle. Allerdings gehe ich dabei nicht über 1/2000s um möglichst im ISO etwas runter zu kommen - aber - meine Modelle flattern auch nicht mit den Flügeln! ;-)


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Danke für deinen sehr umfassenden Erfahrungsbericht.

Cluster-AF wird zwar bei Klein-Vögel auf dünnen Zweigen mit Gewirr von Ästen und Zweigen im Vordergrund nicht funktionieren. Aber gut zu wissen, dass der Cluster-AF bei fliegenden Wasservögeln am See mit Wald-Hintergrund funktionieren wird. Danke auch für die Hinweise zu den Einstellungen Bei der C-AF-Sperre.

Gruß Pit


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Ohne Frage tolle Bilder und Danke für den Einblick in deine Vorgehensweise! Meine Ausschussrate bei den Schwalben Flugaufnahmen über dem Deich war seinerzeit bei 80%, da liegst du beeindruckend höher, ich muss also weiter üben, denn ich denke, das Auge und das Gefühl für das konstante Nachführen spielt die größte Rolle an einer guten Trefferrate, Firmware 2.0 mag dabei auch etwas helfen?, hatte leider noch keine Zeit für Tests. Grüße Steve

PS Verwende seit langen ebenfalls +2, denn alles darunter ist einfach zu langsam den AF nachzustellen, da man bei schnell fliegenden Vögeln aus meiner Sicht so gut wie immer für Momente den Vogel verliert, dann hat man nur mit +2 eine Chance, dass er schnell wieder fokussiert wird, wenn er wieder im Fokusbereich ist, aber das ist nur meine bescheidene Erfahrung, Aussagen, die man im Netzt liest -1 wäre optimal, halte ich für diese Anwendung nicht für zielführend.


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was du uns zeigst ist einfach toll! und als zugabe die Praxistips zum einstellen des AF....

Glückwunsch und Danke!


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Ein sehr lesenswerter Beitrag ist das mit hervorragenden Bildern. Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht und nutze zufälligerweise vergleichbare Einstellungen für den C-AF. Liegt wohl an den Vögeln.

Danke für den hervorragenden Beitrag. Lesbos scheint mir eine Reise wert zu sein, wenn ich sehe was du da für Vögel vor die Linse bekommen hast.

LG Karl


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Klasse Bericht und überzeugende Beispiele, danke! Es zeigt sich mal wieder, dass mit dem richtigen Gerät vieles machbar ist - man muss allerdings wissen, wie... Und auch hier geht offensichtlich nichts ohne Übung. Aber das ist ja auch gut so, sonst könnte es am Ende ja jeder...;-)

HG Sebastian


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Naja, was fliegende Kleinvögel angeht:

https://www.oly-forum.com/gallery/view/bird-flight?set=img_user:5207

Klar, ist ein recht unruhiger Hintergrund, aber scharf ist es. Wäre auch mit keiner anderen Kamera gegangen.

Klaus


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Es kann sein, dass mit Firmware 2.0 aufgrund höherer Priorität für Vordergrund nicht mehr so leicht machbar ist ;-) Aber das werden wir sehen, wenn die Vögel bei Frühlingswärme in Wallung kommen.

Gruß Pit


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Vielen Dank für den Bericht und die verwendeten Einstellungen ! Große Klasse! Liegt voll in meinem Metier

Ich glaube ich drucke mir das aus (zum immer wieder mal nachschauen)


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Ich darf mich anschließen - wunderbare Bilder und sehr verständlicher Bericht zu den Einstellungen. Damit würde ich mir sogar zutrauen mal einige Versuche zu starten.

Vielen Dank!!


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Es kann sein, dass mit Firmware 2.0 aufgrund höherer Priorität für Vordergrund nicht mehr so leicht machbar ist ;-) Aber das werden wir sehen, wenn die Vögel bei Frühlingswärme in Wallung kommen.

Wobei Near is Best bei allem, was sich auf den Fotografen zu bewegt, schon vorteilhaft ist, sprich der Fokus ist dann am Kopf und nicht am Schwanz :)

Wir lassen uns einfach überraschen und denken positiv!


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Ich denke natürlich positiv. Aber wenn eine Blaumeise hinter dem Zweig sitzt und eher der Zweig scharf gestellt ist, werde ich die Blaumeise dressieren müssen, dass sie gefällgst fotogen posiert ;-)))

Aber erst mal müssen wir mal die Auswirkungen der Feldgröße probieren. Die Firmware ist noch sehr jung. Früh genug, um langsam diese Neuerung kennen zu lernen :-)


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