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Anderes und schwieriges Shooting

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Eins vorweg. Das Wort Shooting ist hier nicht angebracht. Vielleicht trifft es Photoauftrag oder so besser.

Vor ein Tagen habe ich einen Anruf erhalten. Die Mutter eines Bekannten ist verstorben. Den Sohn der mich angerufen hat kenne ich seit Jahren. Er kennt auch bisschen meinen Hintergrund, auch das ich als Krankenpfleger in der Sterbebegleitung tätig war und bin.

Nun hat er mich gefragt ob ich ein Problem hätte wenn ich die Beerdigung fotografisch begleiten würde.

Ich sagte ja das wäre in Ordnung für mich, wenn das mit allen Angehörigen abgesprochen ist. Dann kam die Bitte ob ich die Verabschiedung am offenen Sarg dokumentieren kann. Dies sei in seiner Heimat Tradition. Die Angehörigen verabschieden sich am offenen Sarg und küssen die Verstorbene. Er ist streng gläubiger orthodoxer Russe und die Angehörigen die zur Beerdigung kommen sind nahezu alles Verwandte aus der Heimat die hier leben oder zur Beerdigung anreisen.

Ich hab keine Berührungsängste mit dem Tod. Ich hab selber zig Leute in dieser Situation begleitet. Aber das zu fotografieren? Ich habe nun mit ihm ein wenig drüber diskutiert... Pietät. Anstand. Moral und so Sachen. Er versicherte es wäre ein wunderbarer Gefallen dem ich ihm da erfüllen könnte. Die Bilder würden dann eine wichtige Rolle spielen wenn 40 Tage nochmal der Toten gedacht wird. Und er sei sich sicher das die Bilder dem Andenken gerecht werden würden.

Nach kurzem überlegen habe ich dann zugestimmt.

Um die fotografische Seite mit ins Spiel zu bringen: Der elektronische Verschluss, das kompakte System mit den kleinen Festbrennweiten und der monochrom Modus der PEN-F haben eigentlich den Ausschlag gegeben das ich diesen Wunsch angenommen habe. Weil bearbeiten wollte ich die Bilder nicht, sondern sie direkt weitergeben...

So. Das waren ein paar Gedanken wie dann solche Dinge zusammen finden und bei einer Entscheidung eine Rolle spielen können.

Ob man dann so einen Wunsch annimmt, das ist natürlich eine andere Frage und wird von vielen sicher anders entschieden werden. Was ich auch verstehen kann.

Grüße Markus


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Ich denke das war die richtige Entscheidung. Wenn es ihm so wichtig ist und er damit keine Probleme hat, bzw. sich über die Bilder freuen würde, warum nicht. Es ist ja quasi nichts anderes als eine Hochzeit zu fotografieren. Zwar ist eine Hochzeit ein freudiges Ereignis und eine Beerdigung das genaue Gegenteil, aber ich hätte damit keine Probleme wenn ich so eine Anfrage bekommen würde.


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Mutige Entscheidung, ich bin mir ganz sicher, dass Du das nötige Feingefühl besitzt.

Aus eigener Erfahrung: Wir haben uns bei meinem Schwiegervater statt für eine große Beerdigung für eine „Abschiedszeremonie“ am offenen Sarg entschieden und das spontan mit dem Handy für uns alle dokumentiert. Es wäre besser gewesen, wenn uns die Idee mit den Fotos früher eingefallen wäre und ein gefühlsmäßig nicht betroffener professioneller Fotograf mit lautloser Kamera das Fotografieren für uns übernommen hätte.

Die Erfahrung war - obwohl anders befürchtet - schön und befreiend und wir haben für seine Kinder und Enkel ein Fotobuch über sein ganzes Leben gebastelt, das mit Bildern dieser Zeremonie endet, auf denen man ihn im Sarg sieht und wie wir uns von ihm verabschieden. Gehört ja auch dazu.

Vielleicht hilft Dir das ein wenig, wenn Du ins Zweifeln kommst, ob das wirklich ein Anlass ist, der fotografisch dokumentiert werden sollte.


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Riesen Respekt vor deiner Arbeit als Krankenpfleger (Palliativklinik?) und auch das du den Auftrag angenommen hast!

Hab nicht ganz verstanden, musst du nur die Mutter fotografieren oder auch die Trauernden?


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Beides. Und den Gottesdienst und die anschliessende Beerdigung nach der Verabschiedung am Sarg. Das dauerte in etwa 3 Stunden.

Ambulant.


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Ohje da kommt man sich sicher mehr als seltsam vor.

Die PenF ist da sicher die beste Wahl gewesen um sich halbwegs unaufällig bewegen zu können.

Negative Reaktionen gab es hoffentlich keine.


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Sehr interessant und auch mutig, sicher nichts für jeden.

Der Hauptpunkt! ist ja, dass es von den Angehörigen gewünscht wird - somit kann man sich, wenn man es für sich selbst so verarbeiten kann, auf das Fotografieren konzentrieren. Dazu macht eine kleine Kamera absolut Sinn - ein großer Klotzer wäre eher fehl am Platze.

Psychisch bestimmt nicht für jeden geeignet, aber da du Erfahrung im Umgang mit dem Thema Sterbebegleitung und Tod hast, finde ich es gut, dass du es machst- Respekt!

und hier noch darüber zu berichten - noch größerer Respekt!


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Auch ich finde Deine Entscheidung vollkommen in Ordnung zumal die Hinterbliebenen darum gebeten haben. Ist im Grunde eine ähnliche Situation wie bei http://www.dein-sternenkind.eu/

Aber bestimmt fotografisch nicht ganz einfach umzusetzen...


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Markus, Du bringst alle Voraussetzungen mit, dass Du die an Dich herangetragene "Aufgabe" wirst lösen können.

Dabei zentral betrachte ich den Umstand, dass Du Dich eben nicht fragend für diese Aufgabe aufzwingst, sondern vielmehr darum gebeten wurdest, diesen Gefallen zu erweisen. Ebenso ist es - wie von Dir geschildert - in den russisch-orthodoxen Kreisen offenbar üblich - diesen Verabschiedungsanlass in Bildern festzuhalten. Die anwesenden Menschen sind sich das gewohnt. Du wirst nicht als Störung empfunden.

Du selber bist mit toten Menschen "vertraut", soweit man damit "vertraut" sein kann.

Die ganze Beerdigungsfeier wird in ruhigem Rahmen ablaufen. Emotionale Gefühlsausbrüche von Anwesenden werden erfolgen, nehme ich an. Davon würde ich persönlich Bilder einfangen wollen, welche nicht das Gesicht der trauernden Person gross und frontal festhalten würden. Persönlich würde ich da einen leicht von hinten, seitlichen Einblick wählen - aber auch von weiter weg zusammen mit ein paar umstehenden Menschen. Das schafft trotz "Auftrag" die respektvolle Diskretion - und alle Dabeigewesenen und später Deine Bilder Betrachtenden werden mit diesen Aufnahmen "glücklich" sein, denn diese Bilder haben einzig Stütze für die eigenen Erinnerungen der Betroffenen zu sein.

Etwas Bearbeitung - im Sinne von Bildausschnitt und Tonwertkorrekturen - würde ich persönlich schon machen, bevor ich die Bilder der auftraggebenden Person abliefern würde - und einzig diese Person gibt die Aufnahmen entsprechend weiter. Alle Aufnahmen farbig und nicht schwarz-weiss betrachte ich als gegeben, weil farbige Bilder mit diesem Inhalt zwar realistischer aber eben doch etwas leichter wirken.

Mache keinesfalls eine Publikation im Internet - auch nicht im passwortgeschützten Bereich. Aber da denke ich, dass Du dieses Geschpür sowieso hast und so etwas eh nie machen würdest.

Unter Beachtung all dieser Punkte wirst Du den an Dich herangetragenen "Auftrag" ganz im Sinne des Wunsches, der Ethik und dem geschuldeten Respekt gut lösen und den Hinterbliebenen "stille, tiefempfundene Freude" bereiten können.

Machs gut.

Rolf


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Russisch-orthodox und z.T. in der Kirche: Evtl. dann color statt s/w? Gruß, Hermann


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Wenn in Schwarz-Weiss gewünscht, dann erübrigen sich dazu weitere Gedanken. Ist mir klar. Und Du bist vertraut mit Schwarz-Weiss, wie ich aus Deinen Bildern sehe.

Rolf


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Ich finde es eine tolle Sache, ist nicht so ohne, sich dieser Herausforderung zu stellen - meine das jetzt nicht technisch/fotografisch. Respekt!!

LG, Matthias


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