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Küchenstudio - Splash-Fotografie - die große Sauerei!


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Schon lange will ich mal Bilder mit schwappenden Flüssigkeiten, wie z.B. Wein, Whisky etc., machen. Inspiriert wurde ich dabei u.a von Alexander Heinrichs, der das Vorgehen mal in einem Video beschrieben hat.

Herauskommen soll dann sowas in der Art:

Zugegebenermaßen ist der Aufbau etwas aufwändiger.  Also nichts für einen spontanen Entschluss an einem verregneten Sonntag.

Ich möchte im Folgenden mal beschreiben, wie wir dabei vorgegangen bin. Dabei ist natürlich klar, dass es unterschiedliche Möglichkeiten gibt, und dass der Fantasie und dem Einfallsreichtum keine Grenzen gesetzt sind. Ich bin daher auch an neuen Ideen interessiert und bin gespannt, was Ihr ev. ändern oder erweitern würdet.

 

Vorbereitungen

Möglichkeiten, um Flüssigkeiten in einem Glas schwappen zu lassen, ohne dass das Glas augenscheinlich bewegt wird, gibt es verschiedene.

  1. Man kann Flüssigkeiten von außerhalb des Bildes in das Glas fließen lassen. Das ist recht einfach, dafür braucht man keine langen Vorbereitungen. Aber der Flüssigkeitsstrahl kommt dann immer ähnlich von außerhalb des Bildes in das Glas. Kann ein witziger Effekt sein, aber das war es nicht, was ich wollte.
     
  2. Man kann etwas in das Glas fallen lassen, in dem sich die Flüssigkeit befindet. Das kann auch spannend sein. Jeder erinnert sich an Bilder von z.B. Erdbeeren, die in Milch, Zitronenscheiben, die in ein kleines Glasbecken fallen etc. Auch sehr schön, aber ein ganz anderer Effekt.
     
  3. Oder man bewegt das Glas, in dem sich Flüssigkeit befindet. ??? Ja, genau, da fängt es an kompliziert zu werden.

Es fängt damit an, dass man das Glas in möglichst konstanter „Bahn“ bewegen muss, um hinterher mit dem nötigen Aufwand in der Bildbearbeitung den gewünschten Effekt erzielen zu können. Klar ist, dass das ganze immer eine Montage aus mindestens zwei Bildern ist.

In meinem Aufbau bilden zwei Regal-Bretter die Ausgangsbasis. Die Bretter haben die gleiche Breite, aber unterschiedliche Länge. Das muss man nicht so machen, aber ich finde es praktisch. Warum, erkläre ich später.

Das obere, kürzere Brett wird an einer Schmalseite mit zwei Scharnieren mittig auf dem längeren Brett angeschraubt. Damit kann es seitlich hochgehoben, und eben auch in immer gleicher Weise nach unten bewegt werden. Auf der gegenüberliegenden Schmalseite habe ich ein paar Filzgleiter aus dem Baumarkt aufgeklebt, damit die Bretter nicht zu hart zusammen knallen. Warum? Später.

 

Zwei Bretter.jpg

 

Bretter Klapp.jpg

 

Jetzt kommen wir zum Glas. Das Glas soll sich ja, wie oben schon geschrieben, immer gleich bewegen, und an immer der gleichen Stelle zur Ruhe kommen. Ich muss es also auf das obere Brett kleben! Nach meiner Erfahrung eignet sich dafür Silikon-Kleber am besten. Einerseits hat er ausreichende Flexibilität, um etwas zu federn, andererseits bietet der Kleber eine reelle Chance, das Glas nach getaner Arbeit wieder von der Konstruktion zu entfernen, ohne dass das Glas dabei kaputt geht.

Dazu aber zwei Warnungen, teilweise aus leidvoller Erfahrung:

  1. Es kann immer mal was passieren. Man bekommt das Glas doch nicht so einfach vom Brett abgelöst und es zerbricht dabei. Oder die Filzgleiter sorgen nicht für die gewünschte Dämpfung und das Glas zerbricht in voller Action. Man sollte also nicht unbedingt die Kristallgläser aus dem Erbe der Schwiegermutter verwenden. Das könnte zu Missverständnissen und peinlichen Rückfragen führen. Wir haben uns statt dessen eine Auswahl preiswerter Gläser dafür zugelegt.
     
  2. Bei unserem ersten Versuch habe ich das erste Glas recht großflächig über den ganzen Rand des Glasbodens mit Silikon-Kleber versehen und aufgeklebt. Viel hilft viel! Jo, stimmt, aber ich habe unterschätzt wie heftig das Zeugs klebt! Ich habe Stunden dafür gebraucht, das Glas wieder von dem Brett zu bekommen. Seit dem befestige ich die Gläser mit einem kleinen Klecks Kleber, den ich mittig unter das Glas setze. So haben ich die Chance, das Glas durch vorsichtiges Drehen am Fuß (!) wieder vom Brett zu lösen.

Nachdem man das Glas auf das Brett geklebt hat, sollte man sich 12 Stunden gedulden, damit das Silikon ausreichend fest wird.

 

Silikon.jpg

Brett Glas.jpg

 

Damit sind die Vorbereitungen für diesen Bereich abgeschlossen. Jetzt kann es losgehen.

(Fortsetzung folgt)

bearbeitet von Martin Groth
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Danke für dein MakingOf zu den Bildern mit den Whisky-Schüttelern. Das mit dem "Klappmechanismus" habe ich irgendwo mal gelesen.

Ich erinnere mich noch ganz gut an mein Erdbeermilch. Diese wurde mit der E-3 gemacht und da gab es kein ProCapture. Die Sauerei war nur, dass man nach jedem misslungenen Versuch zum Spülbecken muss um am Glas das Fett von der Milch auszuspülen und den Rest für den nächsten Versuch noch sauber wischen muss.

Aber die Erwartung auf die Ergebnisse sind so spannend.

Viele Grüße
Pit

bearbeitet von pit-photography
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vor 1 Minute schrieb wteichler:

Ich hasse Cliffhanger. 😉 

"Und seien Sie auch morgen wieder dabei, wenn es heißt "wird das Glas zerbrechen? Kann die Ehefrau die dauernden Entbehrungen und die Verwahrlosung der Küche weiter tolerieren?"."

😈

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So, es geht weiter, jetzt kommt...

Action!

Ich möchte an dieser Stelle nicht zu ausschweifend über die unterschiedlichen Möglichkeiten der Lichtsetzung schreiben. Da sind der Fantasie eigentlich keine Grenzen gesetzt. Ich möchte nur ein paar grundsätzliche Dinge nennen, die UNS wichtig waren.

  1. Licht.  Wir wollten die schwappende Flüssigkeit „einfrieren“, also keine Bewegung im „Schwapp“ haben. Das kann man natürlich auch anders machen, das ist eine Frage des Geschmacks. Claudia hat parallel mit Pro-Capture und hohen ISO-Werten Bilder gemacht. Und die sehen großartig aus, sie hat teilweise spektakuläre Bilder dabei, aber ganz ohne Dynamik geht es nicht ab, von „Einfrieren“ kann man nicht reden.

    Man hat also zwei Möglichkeiten: entweder man hat viiiiiel Licht, also Dauerlicht, für schnelle Verschlusszeiten bei niedrigen ISO-Werten. Oder man nutzt einen Blitz (oder zwei). Wir haben uns mangels adäquatem Dauerlicht für Blitze entschieden.

    Weiterhin wollten wir weiches Licht, also keine, oder möglichst wenige Reflexionen im Glas haben. Dafür muss das Licht indirekt von hinten kommen. Und damit kommen wir zum Thema…

     
  2. Hintergrund. Auch hier sind der Fantasie eigentlich keine Grenze gesetzt. Wer, wie wir, nicht über ein Studio verfügt, damit auch kein Hintergrundsystem hat, der muss improvisieren. Helle Bettlaken, andere Stoffe, die man für solche Gelegenheiten rumliegen hat, helle Wände etc. Wenn man diese hellen Stoffe anblitzt, und so indirekt das Setup ausleuchtet, gibt das ein wunderbar weiches Licht. Ach ja, wenn man keinen ausreichenden Platz hat, und damit relativ dicht vor dem Hintergrund arbeitet, und somit keine Freistellung realisieren kann, sollte man den Stoff bügeln, sonst sieht das doof aus!

    Andere Hintergründe gehen natürlich auch! Eine dekorative Bücherwand, vorgefertigte Motiv-Hintergründe etc. Aber dann stellt sich natürlich wieder die Frage nach dem indirekten Licht:

     
  3. Nochmal Licht. Wenn man sich für einen wenig hellen Hintergrund (wir haben mal mit schwarzem Hintergrund gearbeitet, da reflektiert nicht so viel…) entscheidet, muss man sich für das Licht etwas überlegen.

    Exkurs: damit es keine seitlichen Reflexionen, z.B. von Wänden und Küchenmöbeln gibt, haben wir zwei kräftige schwarze Pappen seitlich links und rechts neben das Setup gestellt. Einfach zwei Buchstützen, zwei Fotoklemmen, fertig. Geht prima. Exkurs Ende.

    Um doch noch indirektes Licht realisieren zu können, haben wir uns unserer alten Reflektoren erinnert, die eigentlich die meiste Zeit in der Ecke verstauben. Diese haben wir seitlich hinter dem Motiv so aufgestellt, dass sie einerseits durch die schwarzen Pappen gegenüber der Kamera abgedeckt sind, andererseits aber auf das Glas reflektieren können. Blitze davor aufgestellt, passt.

Damit ist das Licht soweit fertig. Das liest sich jetzt recht einfach, wir haben aber lange probiert, bis das Ergebnis stimmte. Und wir probieren immer noch ziemlich viel, bevor ein neues Setup steht.

Das Setup selber wird bei uns auf einem kleinen Alu-Tisch befestigt, den wir für solche Gelegenheiten mal angeschafft haben. Klein zusammenlegbar, stabil, abwaschbar. Gerade letzteres ist wichtig!

Auf dem Tisch wird nun die „Klapp-Brett-mit-Glas-Konstruktion“ befestigt. Dadurch, dass das untere Brett länger ist, als das obere (s.o.), kann man es gut fixieren, ohne die Bewegung des oberen Brettes einzuschränken. Wir haben uns dafür Spannklemmen von Connex gekauft.

Nun beginnt eigentlich die Hauptarbeit. Unter das Brett legen wir schon vorsorglich eine Malerfolie, die, wenn es denn Ernst wird, großflächig ausgelegt und festgeklebt wird. Man kann machen was man will, und die Art der Flüssigkeit ist egal, es wird Sauerei geben!

So sah der Aufbau bei uns beispielhaft aus:

Aufbau.jpg

Die Kamera kommt auf ein Stativ und wird genau ausgerichtet. Diese Vorbereitungen sind sehr wichtig, darauf sollte man viel Zeit verwenden. Wir haben das in den ersten Versuchen vernachlässigt, der Winkel stimmte nicht, und das wird von der verehrten Fotografengemeinde gnadenlos moniert. Wenn das Setup einmal steht, sollte es nicht mehr verändert werden, sonst kann man in der Bildbearbeitung Probleme bekommen.

Auf folgendes sollte man achten:

  1. Perspektive, Bildwinkel. Wir stellen die Kamera so ein, dass sie sich in gleicher Höhe mit dem Glas befindet. Muss man sicher nicht, aber uns gefällt es so am besten. Außerdem wird sie möglichst genau parallel zum Brett ausgerichtet.
     
  2. Der Bildwinkel sollte weiterhin so gewählt werden, dass die seitlichen Pappen nicht zu sehen sind. Weiterhin sollte man das Brett unten zwar noch sehen, aber nur am unteren Bildrand. Man ist erstaunt, wie hoch die Flüssigkeit schwappen kann, da braucht man auch Platz nach oben! Je nach Glasform und Viskosität der Flüssigkeit schwappt die Flüssigkeit mehr oder weniger hoch, dann sollte man ev. Hochformat in Betracht ziehen.
     
  3. Tisch und Stativ sollten sich im Laufe der Aufnehmen nicht mehr wesentlich verschieben. Da man für kleinere Veränderungen im Setup aber mal um das Setup herum turnen muss, und dabei gerne mal irgendwo anstößt, fixieren wir Stativ und Alu-Tisch mit Gaffa-Tape am Fußboden. Kleine Ausreißer lassen sich nicht ganz verhindern, aber es hilft schon sehr.

Die Kamera wird mit einem Kabel- oder Funkauslöser ausgelöst. Weiterhin haben wir die Kamera an ein Notebook angeschlossen, auf dem Olympus-Capture läuft. So lassen sich die Bilder deutlich einfacher kontrollieren, ohne dass man jedes Mal auf den Wiedergabe-Button drücken muss, womit man dann ev. wieder die Kamera leicht verschiebe. Auch Veränderungen in den Belichtungsparametern kann man so leicht vornehmen, ohne die Kamera anfassen zu müssen.

Aufbau 2.jpg

Die Blitze sind manuell eingestellt und werden mittels Funkauslösern ausgelöst! Die Blitzleistung (wir nutzen zwei schon etwas betagte FL-50) kann man im manuellen Modus entsprechend einstellen.

Jetzt probiert man so lange aus, verändert Blitzleistung, Position der Reflektoren etc., bis das Ergebnis stimmt. Die Kamera steht auf ‚M’, Zeit und Blende gebe ich manuell vor. Ich liege dabei meist bei 1/320s, Blende zwischen 3,5 und 5,6.

Jetzt nicht vergessen, die Malerfolie großflächig auszubreiten (ohne dass sie das Bild stört!), Bingo, jetzt kann es los gehen!

bearbeitet von Martin Groth
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Das „Shooting“

Die ersten Bilder werden mit leerem Glas und ohne Bewegung gemacht. Wir brauchen dieses Basis-Bild, um hinterher in der Bildbearbeitung eine saubere Basis (Brett, Glasfuss, Utensilien) für die weitere Montage zu haben. Nach dem ersten „Schwapp“ ist das Brett eingesaut. Man kann das sicher bildgestaltend einbauen, aber uns gefällt das nicht.

Weiterhin habe ich bei dieser „Still-Life-Aufnahme“ die Chance, weitere Elemente mit in das Bild einzubauen (Beispiel: Whisky mit Keksen). Obst, Korkenzieher, Gebäck, Korken - probiert es aus! Man kann ja diverse Basis-Bilder mit verschiedensten Arrangements erstellen.  Hauptsache ist, dass das Glas immer an der gleichen Stelle verbleibt. Und die Utensilien sollten sich nicht direkt vor oder hinter dem Glaskörper befinden, sonst wird es bei der Montage schwierig. So erhält man quasi einen „Baukasten“ unterschiedlicher Basis-Motive, mit denen man anschließend arbeiten kann.

Hier mit Orangenscheibe.

Glas Orange.jpg

 

Whyskyflasche mit Keksen und Korken

Whisky Kekse.jpg

Das nackte Glas nicht vergessen!

Glas blank.jpg

Wenn das im Kasten ist, geht die Sauerei  der Spaß los.

Jetzt wird etwas Flüssigkeit in das Glas gefüllt. Wieviel Flüssigkeit sinnvoll ist, muss man ausprobieren, dafür gibt es kein Maß. Zu voll ist sicher ungünstig, zu wenig auch. Irgendwas in der Mitte. Und dann kommt gleich die Frage, was man denn für Flüssigkeiten verwendet.

Bei unseren Whisky-Bildern kam natürlich die Frage, ob wir den guten Stoff dafür verwendet habe. Natürlich nicht! Aber es war Whisky!

Bei Rotwein gibt es das Problem, dass die Farbe des dunkelroten Weins nicht wirklich schön leuchtet. Man kann eine Mischung aus Wein und Wasser verwenden, das muss man probieren. Lebensmittelfarbe ist auch eine gute Möglichkeit, Farben zu erzeugen oder zu verändern.

Bei hochprozentigeren Flüssigkeiten, u.a. auch Likören, habe ich die Erfahrung gemacht, dass die  anders „schwappen“, als dies Apfelsaft oder Tee tun würde. Der Alkoholgehalt oder/und die Viskosität (Likör) haben darauf Einfluss. Man kann das natürlich durch den Einsatz von z.B. Glycerin beeinflussen, aber wirklich billiger wird das sicher erst, wenn man sowas häufiger macht. Ob man’s sieht? Keine Ahnung, wir haben bei unserem Whisky-Shooting sicherheitshalber billigen Whisky verwendet, auch wenn die Küche hinterher wie eine Destille roch! Und Bilder mit Blue Curacao werden mit eben diesem Getränk gemacht, und nicht mit gefärbtem Wasser! Rock ‚n‘ Roll, man lebt nur einmal!

Und jetzt heißt es, mit einer Hand den Fernauslöser halten, mit der anderen Hand das Brett ein paar Zentimeter hochheben. Jetzt das Brett fallen lassen und den Auslöser rechtzeitig betätigen. Genau! Rechtzeitig! Wann ist rechtzeitig? Keine Ahnung! Jedes Bild ist eine Überraschung, darin liegt der Reiz. Und es braucht sicher ein paar Bilder, bis man das richtige Timing raus hat.

Achtung! Das Timing kann sehr schwierig sein! Ev. sollte man das vorher mit Wasser im Bad üben, wo die Spuren der Experimente leichter und mit weniger Vorbereitung beseitigt werden können. Der Ausschuss liegt anfangs über 90%, jedenfalls bei uns! Also Geduld, das übt sich!

Glas Wasser.jpg

Hier stimmt das Timing noch nicht so ganz, zum Glück ist es nur Wasser.

Aber auch hier...

Glas blau schlecht.jpg

... stimmt das Timing noch nicht optimal. 

Wenn man zum richtigen Zeitpunkt auslöst, kommt vielleicht das dabei raus:

Glas blau gut.jpg

Oder das:

Whisky Schwapp.jpg

Man kann auch mit der Fallhöhe variieren. Und hier zeigt sich dann auch, ob die Filz-Gleiter ausreichen. Der Aufprall wird durch die Filz-Pads gemindert, aber bei sehr filigranen Gläsern kann das Shooting hier trotzdem schnell zu Ende sein. Mit Glück hat man dann noch ein spektakuläres „Bruch-Bild“, aber das war’s dann erstmal.

Und man merkt hier sehr schnell, was das doch für eine Sauerei ist. Die Flüssigkeit schwappt großflächig. Der zu sparsame Einsatz der Malerfolie rächt sich dann. Wir haben Rotweinflecke noch Tage nach dem Shooting an den entferntesten Stellen in der Küche gefunden.

Kleiner Tipp: bei bauchigen Gläsern (z.B. Rotweingläser) schwappt es verstärkt zum Scharnier hin, bei Cocktail-Gläsern in die Gegenrichtung. Damit kann man schonmal den Bildschnitt vorher eingrenzen.

Jetzt gilt es also fleißig Bilder zu machen. Wenn man dann mit den Ergebnissen zufrieden ist und die Küche erfolgreich eingesaut hat, kann man sich um die Bearbeitung am PC kümmern. Vorher am besten die gröbste Sauerei aufräumen, das schafft eine friedliche Grundstimmung im Hause 😉.

Damit kommen wir zur Bildbearbeitung am PC. Aber morgen!

 

bearbeitet von Martin Groth
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Ganz durch bin ich noch nicht, mir drängt sich aber Kopfkino auf, da doch alles festgekelbt werden muss.
Das finde ich sehr lustig, zumal dann noch klebrige Flüssigkeit das ihrige dazutut.

 

Dann: Später: " Schatz machst Du kurz die Küche? Ich sichte schon mal die Bilder"!

bearbeitet von Gartenphilosophin
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Wirklich eine tolle Anleitung, hat Spaß gemacht, das zu lesen. Es wäre aber auch sicher toll gewesen,  daraus ein YouTube-Video zu machen. Von Chris Eyre-Walker gibt es sowas über seine Versuche, Flüssigkeit in eine andere Flüssigkeit zu gießen und das zu fotografieren. 

Gruß 

Hans

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Guten Morgen, und vielen Dank!

Ja, der Aufwand ist nicht unerheblich. Und da wir mittlerweile sechs solche "Shootings" hinter uns haben, haben wir uns auch für einen Pause entschieden 🤪.

Aber ein Teil fehlt noch, und zwar die...

 

Erstellung des fertigen Bildes.

Davon gibt es jetzt keine Bilder, und ich gehe auch nicht zu tief darauf ein

Klar ist, dass für ein Gesamtbild mindestens zwei Bilder zusammenmontiert werden müssen; ein Bild in der Ruheposition (Basis-Bild), und ein Action-Bild. Ich gehe dafür folgendermaßen vor, wobei ich einschränken muss, dass ich kein Profi in der Bildbearbeitung bin, hier erhoffe ich mir Tipps und Ergänzungen von Euch. Außerdem gibt es sicher noch anderen Möglichkeiten der Bearbeitung.

Die erste Grundbearbeitung mache ich in Capture One Pro. Ich suche mir die beiden Bilder aus, die ich zusammenführen möchte. Bei einem der Bilder nehme ich die gewünschten Grundkorrekturen (Tonwerte, Kontraste, ev. Sättigung etc. ) vor, die ich dann genauso auf das zweite Bild kopiere. Da ich beide Bilder exakt gleich belichtet habe, passt das weitgehend. Und wenn es doch Differenzen gibt, muss man etwas Arbeit investieren, um eine möglichst gleiche Anmutung zu erreichen.

Jetzt übergebe ich beide Bilder an Affinity Photo.

Zuerst wähle ich das Action-Bild an und wähle mit dem „Lasso“ den Bereich des Glases und der Spritzer aus, die ich auf das andere Bild kopieren will. Hier nicht zu eng am Motiv entlang „ausschneiden“, man braucht noch etwas Luft zum Pinseln.

Nun erstelle ich aus der Auswahl eine Maske. Die Maske ermöglicht es mir, die Übergänge fein anzugleichen, so dass man möglichst nicht sieht, dass das eine Montage ist. Wie genau das gemacht wird, und wie das ev. in anderen Programmen funktioniert, will ich hier nicht ausführen, das führt einfach zu weit, das können wir gerne separat besprechen.

Die Maske kopiere ich (cmd+c / strg+c), wähle das Basis-Bild an, und setze die kopierte Maske hier ein (cmd+v / strg+v). Schon sitzt der Splash in meinem Basis-Bild, und das ziemlich genau an der Position, die gewünscht ist.

Natürlich ist das noch nicht 100% genau ausgerichtet! Das Glas hat sich vielleicht durch die Bewegung doch minimal verschoben, passt nicht genau über das Glas im Basis-Bild. Um das einfach zu korrigieren, reduziere ich die Deckkraft des einkopierten Action-Bildes, um minimale Verschiebungen gegenüber dem Basis-Bild sichtbar zu machen, da die Kontur des Glases im Basis-Bild jetzt zu sehen ist. Jetzt kann ich das Action-Bild anwählen und sehr leicht mittels der Cursor-Tasten solange minimal verschieben, bis die Konturen genau deckungsgleich sind. Anschließend die Deckkraft wieder auf 100% setzen. Das sollte schon brauchbar aussehen.

Jetzt schaue ich mir die Ränder des Action-Bildes an. Der Splash wurde ja recht großflächig ausgeschnitten, ich habe also auch Teile des Hintergrundes einkopiert. Die Belichtung sollte eigentlich stimmen, aber hin und wieder gibt es Differenzen, so dass man den Übergang sieht. Das kann man mit einem weichen Pinsel mit einer geringen Deckkraft über die Maske angleichen. Das kostet etwas Arbeit, lohnt sich aber.

Das war’s eigentlich schon! Ich finde, dass die Arbeiten in der Bildbearbeitung im Vergleich zu dem Aufwand, der für die Erstellung der Fotos gemacht werden muss, gering ist. Spannend wird es noch, wenn Tropfen über die Bereiche des „Basis-Bildes“ fallen sollen, also z.B. Flaschen, Korken etc. Dann wird die Pinselei auf der Maske filigran. Aber es lohnt die Mühe!

Ich hoffe, dass wir mit diesem kleinen Projekt eine Idee hatten, die für weitere Projekt bei Euch eine Anregung ist. Ich bin gespannt, was so oder ähnlich von Euch kommt. Und ich freue mich auf Ideen, wie man Dinge anders und besser machen kann.

Viel Spaß beim Nachbauen!

Herzliche Grüße

Martin

bearbeitet von Martin Groth
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vor 9 Stunden schrieb Gartenphilosophin:

Ganz durch bin ich noch nicht, mir drängt sich aber Kopfkino auf, da doch alles festgekelbt werden muss.
Das finde ich sehr lustig, zumal dann noch klebrige Flüssigkeit das ihrige dazutut.

Dann: Später: " Schatz machst Du kurz die Küche? Ich sichte schon mal die Bilder"!

Hallo Ulrike,

mit dem Zuckergehalt der Flüssigkeit wächst die Herausforderung! 😄 Gut, dass die E-M1 spritzwassergeschützt ist. 

Und zu Deinem letzten Satz: Genau das ist der Punkt, das könnte die Zukunft des Hobbys beeinflussen *hüstel* 🥳

LG

Martin

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vor 8 Stunden schrieb Ausmeinersicht:

Danke für die Mühe diese coole Anleitung zu zeigen/erstellen. Ich hätte noch gerne die Sauerei in Bildform gesehen...... 😁 LG Roland

Hallo Roland,

das haben wir dann nicht mehr dokumentiert, davon gibt es keine Bilder. Ist auch besser so. Wir waren jedenfalls am Ende des Tages komplett "durch". 

LG

Martin

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vor 7 Stunden schrieb Hacon:

Wirklich eine tolle Anleitung, hat Spaß gemacht, das zu lesen. Es wäre aber auch sicher toll gewesen,  daraus ein YouTube-Video zu machen. Von Chris Eyre-Walker gibt es sowas über seine Versuche, Flüssigkeit in eine andere Flüssigkeit zu gießen und das zu fotografieren. 

Hallo Hans, danke Dir!

Mit Video kenne ich mich überhaupt nicht aus. Daher war das keine Option für uns. Wäre aber sicher sehr kurzweilig gewesen!

LG

Martin

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vor 33 Minuten schrieb Martin Groth:

Hallo Hans, danke Dir!

Mit Video kenne ich mich überhaupt nicht aus. Daher war das keine Option für uns. Wäre aber sicher sehr kurzweilig gewesen!

LG

Martin

Geht mir ähnlich, Video ist was zum Schauen, nicht zum Machen. 

Gruß 

Hans 

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Nachtrag

Wir haben auch mit Handy-Apps gespielt. Ich habe hier seit langen Jahren das TriggerTrap-Modul rumliegen, was ja die unterschiedlichsten Auslösemodis über Handy kann. Ich hatte gehofft, dass die Auslösung per Schall oder per Erschütterung (seismisch) für reproduzierbare Ergebnisse ev. gut geeignet sein könnte.

Leider sind beide Auslösearten zu träge. Bis die Kamera ausgelöst wird, ist der Splash vorbei. Also reproduzierbar knapp daneben! 😏

Herzliche Grüße

Martin

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Hallo Martin,

vielen Dank für deine unterhaltsame Schilderung eurer Vorgehensweise.

Durch Hinweise von Thomas habe ich sie erst entdeckt.

Eure tollen Ergebnisse konnte man ja schon früher bestaunen, aber jetzt noch eure Erläuterungen dazu. Klasse!!!

Ihr geht auf eine Weise vor, die mir zeigt, dass diese Teile der Fotografie echtes Handwerk sind. CGI scheint wohl heute die Weiterentwicklung dieses Vorgehens zu sein.

Klasse und vielen Dank für eure Arbeit einschließlich der Veröffentlichung.

Obwohl ihr euch sicherlich sehr bewusst für "kleine" Motive entschieden habt, mag ich mir nur schwer vorstellen um wieviel die "Sauerei" mit der Größe der Motive anwächst.

Ich freue mich mit euch, wenn ihr danach - mangels Studio - eure Küche wieder auf Vordermann gebracht habt. Vielleicht hat Corona hier sogar ein wenig sein Gutes;-) weil es u.U. die Bedingung der häuslichen Fixierung erfordert hat.

Liebe Grüße an euch beide

Rainer

 

bearbeitet von sprinter105
Korrektur
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vor 9 Stunden schrieb jürgen1950:

Danke Martin, dass du dein Wissen und Erfahrungen hier mit uns teilst!

Ob ich dies von meiner besseren Hälfte genehmigt bekomme, glaube ich eher nicht😁

HG Jürgen

Danke Dir, Jürgen!

Da habe ich das große Glück, dass Claudia auch so gerne fotografiert, und auch sehr gerne experimentiert. Das hilft!

Aber vielleicht habt Ihr ja einen Kellerraum, in dem sich die Auswirkungen etwas in Grenzen halten lassen.

HG

Martin

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