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Geschrieben (bearbeitet)

Anfang Juni geht es schon schnell Richtung kürzeste Nacht.
Gerade mal 1,5 Stunden Astronomische Dunkelheit bleiben mir im Süden ( Wien/München).  Gegen Norden Europas wohl gar nicht mehr!

 

Hier mal ein Überblick des  Sternenhimmel Anfang Juni gegen Mitternacht:

FB_00_210603_Stellarium_Uebersicht_2355.thumb.jpg.84caabb3c351cee896585b48c70add5c.jpg

Die Frühlingssternbilder mit den kleinen fernen Galaxien wandern schon sehr gegen Westen und im Osten steigt schon die (Sommer) Milchstraße  mit ihren großen Gasnebel hoch.

Hoch über den Zenit zieht das Sternbild Herkules mit einem der großartigsten Objekten die der Sternenhimmel bei uns bietet: Der große Kugelsternhaufen im Herkules, Messier 13 oder kurz M13 genannt. 

Wie im Frühling, erlaubt dieser Himmelsausschnitt noch recht ungetrübten Blick in die Tiefen des Weltraums, bevor dann wieder die vielen Sterne und Staubbanden der Milchstraße die Sicht behindern.

Wega und Arktur sind die zwei hellsten Sterne am Himmel. Der hellste, Sirius ist ja nur im Winter sichtbar und der zweit hellste Canopus ist bei uns nie zu sehen.

Arktur ist leicht auffindbar:
Die Deichsel des Großen Wagen /Schwanz der Große Bärin einfach geschwungen nach unten verlängern. Wer dann weiter nach unten geht, landet bei der Spica die schon tief im Südwesten steht.

Der hellste Stern im Osten ist die Wega (Vega) Sie bildet mit den hellen Sternen Altair und Deneb im Schwan das Sommerdreieck.

Im folgenden jetzt der Ausschnitt, der das Bildfeld eines 12mm Objektiv zeigt. Ich hab mir dazu die markantere Gegend zwischen Arktur und Wega vorgenommen:


OLYF_02_310604_Stellarium_BOO_LYR3.thumb.jpg.e897b9b26f323696fd0d9e4fcd50bafa.jpg

Hier findet sich die Nördliche Krone (Crb - Corona borealis) und das Sternbild Herkules. Für ungeübte am Sternenhimmel nicht ganz so einfach zu identifizieren, aber wer es mal gesehen hat, vergisst es kaum und man findet sich schnell zurecht:

In diesem Fall gibt es ein einfaches Hilfsmittel:
Man denkt sich eine Linie zwischen den zwei hellen Sternen Arktur und Wega. Die Nördliche Krone ist dabei im Ersten 1/3 zu finden, Herkules in 2/3 Abstand (oder 1/3 von Wega weg). Sogar M13 liegt ziemlich genau an der Linie. Nämlich genau zwischen den zwei linken Sternen im ersten oberen 1/4.

Sterne und Sternhaufen sind ja selbst recht hell und so kann man auch recht knapp belichten, beziehungsweise bei nicht ganz dunklen Himmel ja Bilder machen. So habe ich die Zeit in der Astronomischen Dämmerung (ab 23:00) genutzt um einige Bilder zu machen:

Im nachfolgenden ein Einzelbild knapp vor 23:00. E-M10.II , mFT12/2 F/2.5 IS1250  60 Sekunden belichtet
Und zwar nur verkleinert, und nicht bearbeitet, also so wie es aus der Kamera kommt (OOC - out of Cam).


FB_04_OOC_X1032201.thumb.jpg.fe353831ba0ce9a634cff6784baaf233.jpg
Wie üblich taucht hier folgende Problematik auf:

Nur wenn man knapp belichtet, brennen hellere Sterne nicht aus, dann verlieren sich aber die schwächeren Sterne. Und man erhält ein wenig ansprechendes Bild: Wenig sehr helle Punkten auf schwarzem Grund.

Belichtet man länger, geraten auch zunehmend schwächere Sterne in die Sättigung und wir können kaum mehr die hellen Hauptsterne erkennen die uns helfen, dass wir uns am Himmel zurechtfinden, von den sehr viel mehr schwächeren Himmel unterscheiden und wir verlieren uns hier in weißen Punkten auf mehr oder weniger schwarzen Hintergrund. Je länger man Belichtet desto mehr Himmelshintergrund kommt hervor in dem sich eine große Anzahl von sehr weit entfernten Galaxien findet.

Mit freiem Auge hat man es hier also zunächst etwas einfacher und bedingt durch meist den aufgehellten Himmel sieht man die vielen schwächeren Sterne sowieso nicht bis kaum.

Um trotzdem die Sternfarben zu sehen und den Helligkeits- und Größeneindruck zu erhalten kann man jetzt folgendes machen:
Leicht unscharf stellen. Damit verteilt sich das Licht heller Sterne über eine größere Fläche und die Pixel geraten damit viel später in die Sättigung, die ja jegliche Farbinformationen vernichtet.

Oder wie hier, wo ich einfach mein Cokin P830 Weichzeichenfilter vorgehalten hatte:

FB_05_P830_X1032177_BOO-LYR_P830.thumb.jpg.e43adbf8cf1c1e290a311632bfbb4d63.jpg

Die Form der Krone (einst die der Ariadne aus der griechischen Mythologie) kann man sich jetzt gut vorstellen. Der hellste Stern Gemma leuchtet heraus. Der Körper des Herkules, den vier heller Sterne bilden, zeichnet sich zwar etwas schwächer, aber für den Kundigen doch erkennbar, ab. Wer genau hinsieht kann auch M13 erkennen.

Hier  eine Astrometrierte Version:
FB_07_X1032177_BOO_LYR_P830_registered_Annotated.thumb.jpg.92d796b0b0e0088d99274ea9dc0601ed.jpg

Dazu hatte ich einige der "normalen" Fotos gestackt und astrometriert. Natürlich dabei die Verzerrung des nur elektronisch korrigierten 12/2 ausgleichen lassen. Die gefundenen Koordinaten habe ich dann in die Metadaten des weichgezeichneten Bildes übertragen und dann einen Auswahl an Objekten ins Bild zeichnen lassen

Hier noch mit den helleren Sternen:

FB_08_X1032177_BOO_LYR_P830_registered_Annotated2stars.thumb.jpg.c43be26257e4829b8f59f9ec0c15bf79.jpg

 


Noch etwas "Wissenschaft" zu den zwei hellen Sternen Wega und Arktur:

Beide Sterne sind an sich gleich hell. Wega wurde mit einer Helligkeit von mag 0 festgelegt und diente früher als Helligkeitsreferenz. Arktur erscheint uns etwas dunkler, weil unser Auge im roten nicht so empfindlich ist.

Wega
war 1850 der erste Stern (außer unsere Sonne) der fotografiert wurde.

Mit einer Temperatur von 16.000 Grad erscheint er uns blauweiß. Durch die Präzissionsbewegung der Erdachse  war Wega vor 14.000 Jahren der Polarstern.

Mit einer Entfernung von 25 Lichtjahren ist er auch einer der mit bloßen Augen Augen sichtbaren nächsten Sterne. Er bewegt sich ganz langsam Richtung Sternbild Schwan.

Wega hat etwas mehr als die doppelte Masse der Sonne, aber ist mit 400 Mio Jahre noch recht jung. Durch die größere Masse und schnelleres Brennen wird er kaum 1 Mrd Jahre alt werden. Messungen im IR Licht zeigen eine Staubscheibe, in der man Planeten finde könnte, was bisher nicht gelang.

Die kurze Zeitspanne bei solchen Sternen würde aber kaum für die Entwicklung von Leben ausreichen. Spätestens mit aufblähen zum roten Riesen würde es ausgelöscht. Auch Wega wird als weißer Zwerg enden.
Heutige Messungen zeigen, dass Wega sehr schnell rotiert: 12,5 Stunden für eine Rotation. Das ist nur leicht unter der Geschwindigkeit (93%) wo der Stern zerrissen würde. Dadurch ist der Stern stark abgeplattet.

Arktur:

Er ist 37 Lichtjahre von uns weg und bewegt sich entsprechend schnell am Himmel (2,3 Bogensekunden pro Jahr) in Richtung Sternbild Jungfrau.

Der Stern ist gut doppelt so alt wie unsere Sonne und damit ist er das älteste Objekt, das wir mit freiem Auge sehen können. Er hat maximal 1,5x die Masse der Sonne, aber hat sich schon deutlich zu einem roten Riesen aufgebläht. Dabei ist er bereits 25x größer als die Sonne. Durch die geringe Masse über einen so großen Raum, könnte man da durchfliegen, wäre nicht die starke Strahlung. Er "verbrennt" auch nicht mehr Wasserstoff, sondern bereits Helium zu Kohlenstoff und Sauerstoff. Bei der geringen Masse wird er als weißer Zwerg enden.

Viel Spaß beim Selbsterforschen!

Siegfried









 

bearbeitet von iamsiggi
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    • Von iamsiggi
      Ein kurze klarere Phase machte es Ende Mai möglich das mFT100-400 am berühmten Großem Kugelsternhaufen im Herkules einzusetzen.

      Bei reinen Sternen ist ja die Helligkeit des Himmels nicht so aussschlaggebend wie bei den schwachen Nebel. Auch gibt es hier nichts an Wellenlängen einzufangen, was nicht eine normale Kamera auch abbilden kann.
      Also recht gut für das Lichtschwache Olympus mFT100-400.

      Hier das gesamte Bildfeld bei 400mm und Offenblende. Bei ISO 1600 belichtete ich jeweils 2 Minuten. 21 Bilder waren letztlich brauchbarer und führten zu diesem Ergebnis.

      Der M13 ist ja eines der Paradeobjekte ende Frühling wo er über den Zenit zieht. (siehe ein Beitrag über den Sternenhimmel im Spätfrühling:
      Rund um unser Milchstraße (wie auch anderen Galaxien) finden sich viele Kugelsternhaufen.  M13 ist der größte bei uns sichtbare (schon mit Fernglas) und eines der wenigen Objekte, die auch im Teleskop mit eigenen Augen lohnen. Zunächst sieht man einen nebeligen Fleck, aber nach 15-30 Sekunden der Anpassung des Auges bezw. eher der Bildverarbeitung im Gehirn, sieht man es so wie am Bild.
        Er ist nur 25.100 Lichtjahre weit weg und hat einen Durchmesser von 150 Lichtjahren. Mit mehr als 12 Milliarden Jahren ein sehr altes Objekt, wie viele dieser Kugelsternhaufen.1974 wurde mit dem großen Radioteleskop in Arecibo (das leider vor kurzem ja zusammengebrochen ist) eine erste Botschaft der Menschheit dahin gesendet..... Die Rückantwort wird also noch etwas dauern ...vor allem weil man nicht getroffen hat, denn man hatte vergessen, die Rotation der Milchstraße zu berücksichtigen

      Siegfried

      Mittlerweile habe ich auch ein wenig Hintergrundmaterial dazu verfasst zu dem Bild:
       
    • Von iamsiggi
      Außer bei sehr hellen Objekten wie die Sonnensystemkörper wo man notfalls ein bestimmtes Ereignis festhalten will, ist klarer und möglichst dunkler Himmel eine der wichtigsten Grundvoraussetzung.
      Zwischen den Schlechtwetterperioden Ende Mai bot sich eine kurze Gelegenheit um die ohnehin kurze astronomische Dunkelheit. Bei mir war das damals, 3 Wochen vor Tag/Nachtgleiche erst kurz nach 23:40. Der noch sehr helle Mond gesellt sich dann auch gegen 1:00 dazu, was hier sowieso zu einem Abbruch führen würde.
      Durch die feuchtere Luft und starke Abkühlung (Ende Mai bis auf  4 Grad morgens) konnte man schon ahnen, dass es wenn überhaupt nicht lange klar bleiben würde. Denn es bilden sich dann bald in größeren Höhen Dunstbänke oder gar Wolken, die den Himmel durch reflektiertes Licht der noch immer stark zunehmenden Lichtverschmutzung stärker aufhellen.
      Bei solchen Objekten wie Sternhaufen aber nicht so das Problem. Sterne sind ja recht hell.
      Ein Test mit dem Himmelsqualitätsmesser (SQM-L) hatte ich dann tatsächlich bald mal Werte um 20,70 später sogar gegen 21 gemessen, bis es dann merklich aufhellte gegen 01:10 durch Dunst und aufgehenden Mond. Rein visuell merkt man diese Verdoppelung der Helligkeit am Himmel kaum. Nur im Histogramm wandert der Peak (der Himmelshintergrund) leicht. Durch Dunst verbreitert sich dann irgendwann mal auch der Peak, weil das helle Sternenlicht zu Halos um die Sterne führt. Das kann natürlich auch eine beschlagene Linse sein, aber das war hier gerade nicht mehr das Problem, es war knapp davor und gerade noch klar für das Anfertigen der Flats.
      Egal aus den mehr als 2 Stunden konnten ich nach visuellem Aussortieren aller schlechten Bilder (durchziehende Wolkenbänke und diffuse Eintrübungen durch hohe Nebelbänke) 21 Bilder bekommen für die Bearbeitung. Damit kann man dann schon was anfangen und für diesen Zweck reicht es.
      Ich notiere mir immer wieder ein paar Eckdaten zu der Session:
      ---------------------
      Samstag immer wieder Wolken
      AZ-EQ6GT + E-M1.III mFT100-400 @400 F/6  2min ISO1600
      24L 8D 58FD 34B 60F
      23:25 8/82% SQM 20,70
      23:45 8/84% SQM 20,70
      00:15 7/86% SQM 20,90
      00:40 7/88% SQM 20,68 Dunst!
      Abbruch Drüb hell !! Mond bereits aufgegangen
      F/D/FD/B ISO200 +1eV
      --------------------------
      Neben der Qualität des Nachthimmels gibt es einen zweiten unabdingbaren Punkt:
      Wir brauchen scharfe  genügend lang belichtete Bilder.
      Scharfzustellen vor allem bei länger brennweitigen Objektiven geht u.a. mit einer Bahtinov Maske, aber auch bei hoher Vergrößerung rein Visuell an einem helleren Stern recht gut. Die E-M1.III kann hier auch den Sternen AF Modus, der aber bei lichtschwachen Objektiven und langen Brennweiten auch bald mal versagt bezw. auch kein besseres Ergebnis bietet, als visuell die Größe des Sterns beim manuellen fokussieren zu beobachten.
      Das grundlegende Problem ist aber nun mal: Man muß oft minutenlang belichten. Das kann man mit wenig Aufwand und einem gutem Tracker bei kleinen Brennweiten (<70mm) noch hinbekommen. Noch dazu sind kleine Lichtstarke Brennweiten noch vergleichsweise günstig.
      Größere Brennweiten brauchen dann eine nochmals stark gesteigerte Nachführgenauigkeit und weil sie naturgemäß auch lichtschwächer sind zusätzlich noch längere Belichtungszeit. Da wird es mit den Freiheiten der Fotografie schnell sehr eng.
      Man liest ja oft, StarAdventurer (wohl einer der Besten günstigen) von bis zu 400mm kein Problem, aber man darf hier nicht vergessen: Wir haben FT Sensoren wo 400mm eine Vergrößerung eines 800mm an einem KB Sensor sind. Diese KB Sensoren haben noch dazu größere Pixel, die mehr verzeien.
      Also 200mm bei 4 Minuten  an einem StarAdventurer würde ich schon als sportlich bezeichnen, wo sich einer wirklich mit der präzisen Einnordung gespielt hat und man das Glück hatte, dass gerade alles so läuft wie es sollte. Das tut es nämlich oft nicht, was man aber in der eigenen Praxis bald herausfindet.

      Dazu kommt aber auch: Auch wenn die Sterne rund aussehen mögen aber über längere Zeit sich das Bildfeld in eine Richtung verschiebt, kommt es dann zu einem sehr eunschönen, praktisch nicht zu korrierenden Effekt der "wandelnden Schatten" besser als walking shades oder moving noise. Dem kann man entgegensteueren indem man ab und an sein Bildfeld etwas versetzt. Nennt sich dithering.
      Da ich über eine sehr gute Montierung verfüge und ich zu einem Ergebnis kommen will, habe ich es hier leichter: Einfach das Ganze auf die große GoTo Montierung (SkyWatcher AZ-EQ6) und damit auch die Nachführung absolut präzise läuft mit Guiding.
      Mittlerweile brauche ich (wenn alles läuft wie es soll) unter 30 Minuten bis alles von alleine meine Belichtungen sammelt.....
      Der letzte wichtige Punk, den ich hier aber jetzt nicht bespreche: Die nachfolgende Bildbearbeitung. Da kann man auch mit noch soviel Geld keine Software kaufen, die einem das abnimmt. Da ist hart erarbeitetes eigenes Gewusst wie gefordert.
      Unsere Oly Kameras und verfügbaren guten Linsen sind hier jedenfalls die längste Zeit nicht der limitierende Faktor.
      Jetzt also zu dieser Session:
      Vorher habe ich mal bei MeteoBlue  die Seeingprognose geschaut, wie die Bedingungen für meinen Raum vorhergesagt sind und beim lokalen Wetterdienst (INCA Karte) den Bewölkungsverlauf studiert um zu entscheiden probieren oder lieber schlafen  😉
      Für alles andere wäre die Nacht sowieso zu kurz und schlecht, so entschied ich mich spontan für M13 mit dem 100-400 Zoom.
      Also das Ganze aufgebaut und mit der schnellen Kochab Methode eingenordet:
      Mit einem Auge durch das Polsucherfernrohr geschaut und mit dem anderen Auge die Position von Kochab (2. hellster Stern im Kasten des kleinen Wagen/Bären) und dann den Polarstern an die Position im Ring des Polarscope gebracht dass er auf einer Linie vom Zentrum aus zu Kochab steht.
      Das ist genau genug, dass ich bei 800mm zwischen 40 Sekunden und 1min 20 belichten könnte. Mehr Präzision erfordert dann einfach wesentlich mehr Zeit zum Einnorden. Aber das erspare ich mir, weil ich ja mit einem Stern guide. Damit wird eine Abweichung von soll präzise laufend korrigiert.
      Danach ein 1-Stern Alignment an der Wega gemacht:
      Das Teleskop fährt dabei von der Startposition (auf Norden ausgerichtet) in die Nähe des Sterns. Wenn man Glück hat, sieht man den Stern im Sucherfernrohr. Dahin muss man ihn mit der Motorsteuerung der Handbox (oder was auch immer man verwendet) bringen.Und zwar  mittig ins Fadenkreuz. Hat man bei den vorherigen Sessions schon mal alles so abgeglichen dass der Stern dann auch in der Mitte des Bildfeldes der Kamera steht bestätigt man die Position. Wenn nicht: Stern in der Mitte des Kameradisplays und bei der Gelegenheit das Fadenkreuz des Sucherfernrohr so einstellen, dass der Stern auch in der Mitte steht.
      Unseren Alignment Stern nehmen wir dann gleich um gut scharf zu stellen. Nicht vergessen: Fokus auf manuell lassen und bei der Kamera sollte die Linsenrückstellung deaktiviert sein. So bleibt der Fokus erhalten, sollte man mal einfach die Kamera abschalten wollen.
      Danach lasse ich mein Objekt anfahren. Wer eine Kamera mit LiveView Ext II hat, sieht M13 im Display. Er ist ja eingerahmt von zwei Sternen in ca 90 Grad Winkel zueinander. Hier könnte man dann natürlich noch sein Bildfeld korrigieren. Wer nichts sieht (hier aber sieht man zumindest 2-3 schwache Sterne auch ohne Restlichtverstärkung) macht ein Probebild bei hoher ISO und 10-15 Sekunden.
      Jetzt ist der Zeitpunkt, das Sucherfernrohr gegen eines mit dem Kamerakopf für den Guider zu tauschen. Ich habe da zwei (sind ja günstig) und man erspart sich sehr viel Ärger, wenn man da nicht Kamerakopf gegen Okular tauschen muß.
      Danach alles verkabeln: Bei meinem MGen Autoguider:  Ein Kabel (Batchkabel) geht an den Kamerakopf, der durch das Sucherfernrohr auf einen Stern im Bildfeld schaut. Ein Kabel (ST4) geht an die Montierung und korrigiert Nachführungsfehler. Dann gibt es natürlich ein Stromkabel dass an eine 12V Quelle (Batterie oder stabilisiertes Netzteil) geht. Und ein Kabel für den Fernauslöser zur Kamera.
      Danach lässt man am Guider einen Stern suchen und startet eine Eichung. Dabei bewegt er die Montierung, wertet das aus um danach zu wissen, wie stark das Korrektursignal sein muss, damit der Stern bewegt wird. Das dauert keine Minute.
      Danach ist alles Fertig zur Belichtung:
      Die Kamera ist hier auf LiveTime 2 Minuten gestellt, ISO ist richtig, Antiwackel ist aus und die Auslöseverzögerung auf meine üblichen 4 Sekunden gestellt. An der Belichtungssteuerung des Guiders sind dann 2 Minuten und ca. 10 Sekunden  eingestellt. Die Kamera braucht ja etwas zum Speichern auch noch und die 4 Sekunden Auslöseverzögerung. Besser auf der  sicheren Seite - vor allem wenn man 2 Kameras auslösen will, die unterschiedlich schnell sind beim Speicher. Wenn dann das Guiding gestartet wird wird die Kamera ausgelöst und man kann dann im Display (bei mir alle 30 Sekunden ein refresh) zusehen, wie hier bequemer Weise das Bild sich aufbaut.
      Günstig auch: Die Kamera so einstellen, dass sie nach Speichern kurz das Histogram zeigt, zu schnellen Beurteilung.
      Da der Guider auch das dithering mache, wird dann das Bildfeld für die nächste Aufnahme leicht versetzt (schlangenförmige). Sobald dann alles stabil läuft wird die nächste Belichtung ausgelöst.
      Wer sich nicht sicher ist, kontrolliert nach dem ersten Bild an der Kamera nach !
      Würde sich die Temperatur der Linse stark ändern sollte man zwischendurch mal erneut scharf stellen. Wer eine präzise Montierung hat mit GoTo, hat es hier relativ leicht: Einfach wieder einen hellen Stern fürs Scharfstellen anfahren und danach das Objekt wiederfinden und weiter belichten.
      Ihr könnt vielleicht heraushören: Wiederfinden! Hier ja kein Problem, aber es gibt Himmelsgegenden, da sieht man nichts am Display. Wenn man Glück hat mit starker Restlichtverstärkung vielleicht einen Stern, vielleicht hat man den Luxus sogar ein charakteristisches Sternenmuster zu erkennen, anhand dessen man sein Bildfeld möglichst genau wiederfindet.
      Sind die Aligmentsterne all zu weit vom Objekt entfernt, kann es aber sein, dass man das Objekt mit Probebelichtungen wiederfinden muß was ja noch geht, wenn man weiß wo man ist und da sein Objekt da auch sehen kann..... wenn nicht wird es mitunter Zeitraubend.
      Das sollte man bedenken, dass einem das ereilt wenn man immer wieder zwischendurch Scharfstellen muß. Also 15-20 Minuten belichten, neu scharfstellen und 5-? Minuten um sein Feld wiederfinden. Die Schärfe wird sich bei Temperaturänderung.
      Schon aus diesem Grund lege ich Kamera und Objektiv vorher schon zum Akklimatisieren hinaus. Zunächst offen damit im Body nicht auch noch feuchtere Luft aus dem Wohnraum im Gehäuse ist, die dann innen kondensiert.
      Und daher liebe ich meinen optimierten "Newton ohne Namen": Der Tubus ist aus Kohlefaser und der Spiegel aus Pyrex. Mit Ausnahme eines noch besseren Quarz Glas Spiegels, ändert sich nämlich dann auch der Spiegel. Das bei vielen billigen Teleskopen eingesetzte PK7 Glas ändert seine Form besonders stark. Spitz Zungen sprechen davon, dass er nie die Richtige Form hat. Natürlich muß der Okularauszug sehr gut sein, aber da merkt man auch schon mal wie fummelig es ist damit schonmal überhaupt Scharfstellen zu können. Ich hab es immer wieder bei meinem nachgeprüft: Der Fokus ändert sich die ganze Nacht nicht.
      Alle anderen  Geräte haben eben das Problem der Fokusänderung wenn sich die  Temperatur ändert.
      Bei Fernrohren für visuelle Beobachtung  spielen solch Aspekte keine Rolle, wohl aber für Astrofotografie, wo sie darüber entscheiden ob man ohne graue Haare zu seinen Belichtungen kommt.

      Nach Abbruch sammle ich zunächst Flat Files:
      Dabei achten, dass die Schärfe nicht verändert wird und die selbe Blende verwendet werden muß.
      Da habe ich eine Flatfieldbox (die auch nicht flimmert!). Einfach mit +1eV (Blende) und schnellen Serienbild (silent shutter) 20-40 Bilder bei ISO200 sammeln.
      Danach merken wie lang die Belichtungszeit dafür war: Objektivdeckel drauf und mit der selben Zeit FlatDarks sammeln (geht ja schnell) und / oder BIAS Files: Einfach kürzest mögliche Belichtungszeit. Es geht aber auch nur mit BIAS oder FlatDarks, je nachdem, was Eure Stackingsoftware kann/braucht.
      Danach nicht vergessen: ISO wieder auf den Wert setzen mit dem man Seine Lights gesammelt hat. Und dann Darks machen: Gleiche Temperatur / ISO und Zeit wie bei den Lights. Da ich ja in der Zwischenzeit alles abbaue, drücke ich da immer wieder den Auslöser.  Wer eine Sequenzer hat, kann den natürlich auch anstecken um die Darks zu sammeln.

      Danach sichte ich die Files: Zunächst in Ordner für Lights, Darks, BIAS und FlatDarks.
      Die Lights werden visuell in der Vorschau auf Helligkeit geprüft. Zu heller Hintergrund sind dann während der Session ja Wolken oder Dunst, oder gar Tau. In der 1:1 Ansicht prüfe ich auf verwacklte Bilder oder sonstwelche Fehler wie unrunde Sterne.

      Die verbleibenden Bilder werden dann wie üblich mit den Darks/Flat/BIAS kalibriert und gestackt und dann final ausgearbeitet...

      Hier also das Beste Einzelbild ohne Bearbeitung nur verkleinert (OOC):



      Mit einer E-M10.II am Stativ und dem mFT8/1.8 habe ich die Situation festgehalten. Dazu reicht ein Bild mit 15 Sekunden Belichtungszeit.
      Das Bildfeld wurde bewusst so gewählt, dass man das Objekt meiner Begierde sogar  hier findet:



      Hier ein Ausschnitt in der 100% Ansicht des vorherigen Bildes - man kann selbst hier mit diesen einfachen Bildmittel M13 sehen.

      In der Astrofotografie helfen einem besondere Sternanordnungen immer wieder sehr, seine Objekte zu finden.
      Bei M13 sind es die zwei relativ hellen Sterne in unmittelbarer Umgebung, in etwas mehr als 90 Grad Winkel.
      Die finden dann gerade noch im Bildfeld Platz, wenn man ein 800mm Teleskop mit MC14 verwendet.

      Siegfried
        
    • Von Mako7374
      Moin an alle hier,
      ich bin mako7374 (Mathias) und neu hier im Forum, mein Revier zum Fotografieren ist "in Ulm, um Ulm und um Ulm rum".
      Seit dieser Woche habe ich neben meiner Nikon FG20, Panasonic Lumix G6, eine Canon Eos 60D nun auch eine Olympus 1 Mark III mit einen 12-200 Objektiv.
      Die Olympus ist der Hammer, nur finde ich bis jetzt nichts wo ich über die Einstellungen, Funktionen und Tastenbelegungen was nachlesen kann.
      Hoffe hier ein paar Tips und Tricks zu erfahren und zu Lernen was die Kammera noch so kann.
       
    • Von iamsiggi
      Trübes Winterwetter schaffte Zeit und so konnte ich mich älteren Bilderdaten widmen.
      Im Juli 2017 probierte ich erstmals an 3 verschiedenen Nächten so viel Bilder wie möglich vom M13 - dem großen Kugelsternhaufen im Sternbild Herkules zu sammeln. Außerdem habe ich gleich zwei verschiedene Belichtungszeiten verwendet in der Hoffnung den relativ großen Helligkeitsumfang besser in Griff zu bekommen.
      Zum Objekt:
      Rund um unser Milchstraße sind ja viele Kugelsternhaufen verteilt. Der M13 ist der größte bei uns sichtbare (schon mit Fernglas) und in einem Teleskop ist er auch mit eigenen Augen eines der Objekt der Sonderklasse.
      Er ist nur 25.100 Lichtjahre weit weg und hat einen Durchmesser von 150 Lichtjahren. Mit mehr als 12 Milliarden Jahren ein sehr altes Objekt, wie viele dieser Kugelsternhaufen.
      1974 wurde mit dem großen Radioteleskop in Arecibo eine erste Botschaft der Menschheit dahin gesendet..... Die Rückantwort wird also noch etwas dauern ;-)

      Technische Daten zum Bildersammeln:
      Teleskop; Lacerta "Newton ohne Namen" 200/800 (800mm Brennweite F/4) und Kamera E-M1.II
      In Summe sind an Belichtungszeit 22x4 Minuten bei ISO400
      und 21x4 Minuten bei ISO800 zusammengekommen.

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