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Außer bei sehr hellen Objekten wie die Sonnensystemkörper wo man notfalls ein bestimmtes Ereignis festhalten will, ist klarer und möglichst dunkler Himmel eine der wichtigsten Grundvoraussetzung.

Zwischen den Schlechtwetterperioden Ende Mai bot sich eine kurze Gelegenheit um die ohnehin kurze astronomische Dunkelheit. Bei mir war das damals, 3 Wochen vor Tag/Nachtgleiche erst kurz nach 23:40. Der noch sehr helle Mond gesellt sich dann auch gegen 1:00 dazu, was hier sowieso zu einem Abbruch führen würde.

Durch die feuchtere Luft und starke Abkühlung (Ende Mai bis auf  4 Grad morgens) konnte man schon ahnen, dass es wenn überhaupt nicht lange klar bleiben würde. Denn es bilden sich dann bald in größeren Höhen Dunstbänke oder gar Wolken, die den Himmel durch reflektiertes Licht der noch immer stark zunehmenden Lichtverschmutzung stärker aufhellen.

Bei solchen Objekten wie Sternhaufen aber nicht so das Problem. Sterne sind ja recht hell.

Ein Test mit dem Himmelsqualitätsmesser (SQM-L) hatte ich dann tatsächlich bald mal Werte um 20,70 später sogar gegen 21 gemessen, bis es dann merklich aufhellte gegen 01:10 durch Dunst und aufgehenden Mond. Rein visuell merkt man diese Verdoppelung der Helligkeit am Himmel kaum. Nur im Histogramm wandert der Peak (der Himmelshintergrund) leicht. Durch Dunst verbreitert sich dann irgendwann mal auch der Peak, weil das helle Sternenlicht zu Halos um die Sterne führt. Das kann natürlich auch eine beschlagene Linse sein, aber das war hier gerade nicht mehr das Problem, es war knapp davor und gerade noch klar für das Anfertigen der Flats.

Egal aus den mehr als 2 Stunden konnten ich nach visuellem Aussortieren aller schlechten Bilder (durchziehende Wolkenbänke und diffuse Eintrübungen durch hohe Nebelbänke) 21 Bilder bekommen für die Bearbeitung. Damit kann man dann schon was anfangen und für diesen Zweck reicht es.

Ich notiere mir immer wieder ein paar Eckdaten zu der Session:

---------------------
Samstag immer wieder Wolken

AZ-EQ6GT + E-M1.III mFT100-400 @400 F/6  2min ISO1600
24L 8D 58FD 34B 60F

23:25 8/82% SQM 20,70
23:45 8/84% SQM 20,70
00:15 7/86% SQM 20,90
00:40 7/88% SQM 20,68 Dunst!

Abbruch Drüb hell !! Mond bereits aufgegangen

F/D/FD/B ISO200 +1eV

--------------------------

Neben der Qualität des Nachthimmels gibt es einen zweiten unabdingbaren Punkt:
Wir brauchen scharfe  genügend lang belichtete Bilder.

Scharfzustellen vor allem bei länger brennweitigen Objektiven geht u.a. mit einer Bahtinov Maske, aber auch bei hoher Vergrößerung rein Visuell an einem helleren Stern recht gut. Die E-M1.III kann hier auch den Sternen AF Modus, der aber bei lichtschwachen Objektiven und langen Brennweiten auch bald mal versagt bezw. auch kein besseres Ergebnis bietet, als visuell die Größe des Sterns beim manuellen fokussieren zu beobachten.

Das grundlegende Problem ist aber nun mal: Man muß oft minutenlang belichten. Das kann man mit wenig Aufwand und einem gutem Tracker bei kleinen Brennweiten (<70mm) noch hinbekommen. Noch dazu sind kleine Lichtstarke Brennweiten noch vergleichsweise günstig.
Größere Brennweiten brauchen dann eine nochmals stark gesteigerte Nachführgenauigkeit und weil sie naturgemäß auch lichtschwächer sind zusätzlich noch längere Belichtungszeit. Da wird es mit den Freiheiten der Fotografie schnell sehr eng.

Man liest ja oft, StarAdventurer (wohl einer der Besten günstigen) von bis zu 400mm kein Problem, aber man darf hier nicht vergessen: Wir haben FT Sensoren wo 400mm eine Vergrößerung eines 800mm an einem KB Sensor sind. Diese KB Sensoren haben noch dazu größere Pixel, die mehr verzeien.
Also 200mm bei 4 Minuten  an einem StarAdventurer würde ich schon als sportlich bezeichnen, wo sich einer wirklich mit der präzisen Einnordung gespielt hat und man das Glück hatte, dass gerade alles so läuft wie es sollte. Das tut es nämlich oft nicht, was man aber in der eigenen Praxis bald herausfindet.

Dazu kommt aber auch: Auch wenn die Sterne rund aussehen mögen aber über längere Zeit sich das Bildfeld in eine Richtung verschiebt, kommt es dann zu einem sehr eunschönen, praktisch nicht zu korrierenden Effekt der "wandelnden Schatten" besser als walking shades oder moving noise. Dem kann man entgegensteueren indem man ab und an sein Bildfeld etwas versetzt. Nennt sich dithering.

Da ich über eine sehr gute Montierung verfüge und ich zu einem Ergebnis kommen will, habe ich es hier leichter: Einfach das Ganze auf die große GoTo Montierung (SkyWatcher AZ-EQ6) und damit auch die Nachführung absolut präzise läuft mit Guiding.
Mittlerweile brauche ich (wenn alles läuft wie es soll) unter 30 Minuten bis alles von alleine meine Belichtungen sammelt.....

Der letzte wichtige Punk, den ich hier aber jetzt nicht bespreche: Die nachfolgende Bildbearbeitung. Da kann man auch mit noch soviel Geld keine Software kaufen, die einem das abnimmt. Da ist hart erarbeitetes eigenes Gewusst wie gefordert.
Unsere Oly Kameras und verfügbaren guten Linsen sind hier jedenfalls die längste Zeit nicht der limitierende Faktor.

Jetzt also zu dieser Session:

Vorher habe ich mal bei MeteoBlue  die Seeingprognose geschaut, wie die Bedingungen für meinen Raum vorhergesagt sind und beim lokalen Wetterdienst (INCA Karte) den Bewölkungsverlauf studiert um zu entscheiden probieren oder lieber schlafen  😉
Für alles andere wäre die Nacht sowieso zu kurz und schlecht, so entschied ich mich spontan für M13 mit dem 100-400 Zoom.

Also das Ganze aufgebaut und mit der schnellen Kochab Methode eingenordet:
Mit einem Auge durch das Polsucherfernrohr geschaut und mit dem anderen Auge die Position von Kochab (2. hellster Stern im Kasten des kleinen Wagen/Bären) und dann den Polarstern an die Position im Ring des Polarscope gebracht dass er auf einer Linie vom Zentrum aus zu Kochab steht.
Das ist genau genug, dass ich bei 800mm zwischen 40 Sekunden und 1min 20 belichten könnte. Mehr Präzision erfordert dann einfach wesentlich mehr Zeit zum Einnorden. Aber das erspare ich mir, weil ich ja mit einem Stern guide. Damit wird eine Abweichung von soll präzise laufend korrigiert.

Danach ein 1-Stern Alignment an der Wega gemacht:
Das Teleskop fährt dabei von der Startposition (auf Norden ausgerichtet) in die Nähe des Sterns. Wenn man Glück hat, sieht man den Stern im Sucherfernrohr. Dahin muss man ihn mit der Motorsteuerung der Handbox (oder was auch immer man verwendet) bringen.Und zwar  mittig ins Fadenkreuz. Hat man bei den vorherigen Sessions schon mal alles so abgeglichen dass der Stern dann auch in der Mitte des Bildfeldes der Kamera steht bestätigt man die Position. Wenn nicht: Stern in der Mitte des Kameradisplays und bei der Gelegenheit das Fadenkreuz des Sucherfernrohr so einstellen, dass der Stern auch in der Mitte steht.

Unseren Alignment Stern nehmen wir dann gleich um gut scharf zu stellen. Nicht vergessen: Fokus auf manuell lassen und bei der Kamera sollte die Linsenrückstellung deaktiviert sein. So bleibt der Fokus erhalten, sollte man mal einfach die Kamera abschalten wollen.

Danach lasse ich mein Objekt anfahren. Wer eine Kamera mit LiveView Ext II hat, sieht M13 im Display. Er ist ja eingerahmt von zwei Sternen in ca 90 Grad Winkel zueinander. Hier könnte man dann natürlich noch sein Bildfeld korrigieren. Wer nichts sieht (hier aber sieht man zumindest 2-3 schwache Sterne auch ohne Restlichtverstärkung) macht ein Probebild bei hoher ISO und 10-15 Sekunden.

Jetzt ist der Zeitpunkt, das Sucherfernrohr gegen eines mit dem Kamerakopf für den Guider zu tauschen. Ich habe da zwei (sind ja günstig) und man erspart sich sehr viel Ärger, wenn man da nicht Kamerakopf gegen Okular tauschen muß.

Danach alles verkabeln: Bei meinem MGen Autoguider:  Ein Kabel (Batchkabel) geht an den Kamerakopf, der durch das Sucherfernrohr auf einen Stern im Bildfeld schaut. Ein Kabel (ST4) geht an die Montierung und korrigiert Nachführungsfehler. Dann gibt es natürlich ein Stromkabel dass an eine 12V Quelle (Batterie oder stabilisiertes Netzteil) geht. Und ein Kabel für den Fernauslöser zur Kamera.

Danach lässt man am Guider einen Stern suchen und startet eine Eichung. Dabei bewegt er die Montierung, wertet das aus um danach zu wissen, wie stark das Korrektursignal sein muss, damit der Stern bewegt wird. Das dauert keine Minute.

Danach ist alles Fertig zur Belichtung:
Die Kamera ist hier auf LiveTime 2 Minuten gestellt, ISO ist richtig, Antiwackel ist aus und die Auslöseverzögerung auf meine üblichen 4 Sekunden gestellt. An der Belichtungssteuerung des Guiders sind dann 2 Minuten und ca. 10 Sekunden  eingestellt. Die Kamera braucht ja etwas zum Speichern auch noch und die 4 Sekunden Auslöseverzögerung. Besser auf der  sicheren Seite - vor allem wenn man 2 Kameras auslösen will, die unterschiedlich schnell sind beim Speicher. Wenn dann das Guiding gestartet wird wird die Kamera ausgelöst und man kann dann im Display (bei mir alle 30 Sekunden ein refresh) zusehen, wie hier bequemer Weise das Bild sich aufbaut.
Günstig auch: Die Kamera so einstellen, dass sie nach Speichern kurz das Histogram zeigt, zu schnellen Beurteilung.
Da der Guider auch das dithering mache, wird dann das Bildfeld für die nächste Aufnahme leicht versetzt (schlangenförmige). Sobald dann alles stabil läuft wird die nächste Belichtung ausgelöst.

Wer sich nicht sicher ist, kontrolliert nach dem ersten Bild an der Kamera nach !

Würde sich die Temperatur der Linse stark ändern sollte man zwischendurch mal erneut scharf stellen. Wer eine präzise Montierung hat mit GoTo, hat es hier relativ leicht: Einfach wieder einen hellen Stern fürs Scharfstellen anfahren und danach das Objekt wiederfinden und weiter belichten.

Ihr könnt vielleicht heraushören: Wiederfinden! Hier ja kein Problem, aber es gibt Himmelsgegenden, da sieht man nichts am Display. Wenn man Glück hat mit starker Restlichtverstärkung vielleicht einen Stern, vielleicht hat man den Luxus sogar ein charakteristisches Sternenmuster zu erkennen, anhand dessen man sein Bildfeld möglichst genau wiederfindet.
Sind die Aligmentsterne all zu weit vom Objekt entfernt, kann es aber sein, dass man das Objekt mit Probebelichtungen wiederfinden muß was ja noch geht, wenn man weiß wo man ist und da sein Objekt da auch sehen kann..... wenn nicht wird es mitunter Zeitraubend.

Das sollte man bedenken, dass einem das ereilt wenn man immer wieder zwischendurch Scharfstellen muß. Also 15-20 Minuten belichten, neu scharfstellen und 5-? Minuten um sein Feld wiederfinden. Die Schärfe wird sich bei Temperaturänderung.
Schon aus diesem Grund lege ich Kamera und Objektiv vorher schon zum Akklimatisieren hinaus. Zunächst offen damit im Body nicht auch noch feuchtere Luft aus dem Wohnraum im Gehäuse ist, die dann innen kondensiert.
Und daher liebe ich meinen optimierten "Newton ohne Namen": Der Tubus ist aus Kohlefaser und der Spiegel aus Pyrex. Mit Ausnahme eines noch besseren Quarz Glas Spiegels, ändert sich nämlich dann auch der Spiegel. Das bei vielen billigen Teleskopen eingesetzte PK7 Glas ändert seine Form besonders stark. Spitz Zungen sprechen davon, dass er nie die Richtige Form hat. Natürlich muß der Okularauszug sehr gut sein, aber da merkt man auch schon mal wie fummelig es ist damit schonmal überhaupt Scharfstellen zu können. Ich hab es immer wieder bei meinem nachgeprüft: Der Fokus ändert sich die ganze Nacht nicht.
Alle anderen  Geräte haben eben das Problem der Fokusänderung wenn sich die  Temperatur ändert.

Bei Fernrohren für visuelle Beobachtung  spielen solch Aspekte keine Rolle, wohl aber für Astrofotografie, wo sie darüber entscheiden ob man ohne graue Haare zu seinen Belichtungen kommt.

Nach Abbruch sammle ich zunächst Flat Files:
Dabei achten, dass die Schärfe nicht verändert wird und die selbe Blende verwendet werden muß.
Da habe ich eine Flatfieldbox (die auch nicht flimmert!). Einfach mit +1eV (Blende) und schnellen Serienbild (silent shutter) 20-40 Bilder bei ISO200 sammeln.
Danach merken wie lang die Belichtungszeit dafür war: Objektivdeckel drauf und mit der selben Zeit FlatDarks sammeln (geht ja schnell) und / oder BIAS Files: Einfach kürzest mögliche Belichtungszeit. Es geht aber auch nur mit BIAS oder FlatDarks, je nachdem, was Eure Stackingsoftware kann/braucht.
Danach nicht vergessen: ISO wieder auf den Wert setzen mit dem man Seine Lights gesammelt hat. Und dann Darks machen: Gleiche Temperatur / ISO und Zeit wie bei den Lights. Da ich ja in der Zwischenzeit alles abbaue, drücke ich da immer wieder den Auslöser.  Wer eine Sequenzer hat, kann den natürlich auch anstecken um die Darks zu sammeln.

Danach sichte ich die Files: Zunächst in Ordner für Lights, Darks, BIAS und FlatDarks.
Die Lights werden visuell in der Vorschau auf Helligkeit geprüft. Zu heller Hintergrund sind dann während der Session ja Wolken oder Dunst, oder gar Tau. In der 1:1 Ansicht prüfe ich auf verwacklte Bilder oder sonstwelche Fehler wie unrunde Sterne.

Die verbleibenden Bilder werden dann wie üblich mit den Darks/Flat/BIAS kalibriert und gestackt und dann final ausgearbeitet...

Hier also das Beste Einzelbild ohne Bearbeitung nur verkleinert (OOC):

FB_M13_ooc_EM136378r_M13_400mm.thumb.jpg.bc3bc1566cea59ef150c1128505e8047.jpg

Mit einer E-M10.II am Stativ und dem mFT8/1.8 habe ich die Situation festgehalten. Dazu reicht ein Bild mit 15 Sekunden Belichtungszeit.
Das Bildfeld wurde bewusst so gewählt, dass man das Objekt meiner Begierde sogar  hier findet:

fb_00_8mm_X1302173r.thumb.jpg.8ab90d7c338658830d0b3751a121cecc.jpg

Hier ein Ausschnitt in der 100% Ansicht des vorherigen Bildes - man kann selbst hier mit diesen einfachen Bildmittel M13 sehen.
fb_02_8mm_X1302173r.jpg.32d143fa234bdec891664891fdb8aa4b.jpg
In der Astrofotografie helfen einem besondere Sternanordnungen immer wieder sehr, seine Objekte zu finden.
Bei M13 sind es die zwei relativ hellen Sterne in unmittelbarer Umgebung, in etwas mehr als 90 Grad Winkel.
Die finden dann gerade noch im Bildfeld Platz, wenn man ein 800mm Teleskop mit MC14 verwendet.

Siegfried

  

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    • Von iamsiggi
      Schon lange nicht mehr die Sonne fotografiert, aber eine Sonnenfinsternis, wenn auch nur sehr partiell bot halt wieder die Gelegenheit.
       

      Gleich vorweg für die Sonnenfotografie:

      Wenn Euch eure Augen oder Kamerasensoren lieb sind, verwendet nur die genau dafür geeigneten Filter.
      Auch wenn ein Medium für uns sehr dunkel erscheint, es ist nicht gesichert, dass es nicht Licht anderer Wellenlängen durchlässt und dann unser Auge oder Sensor grillen.

      Die Firma Baader bietet da auch eine spezielle Folie dafür an. Man kann sich damit auch eine für seine Optik geeigneten Filter basteln. Aber bitte stellt sicher, dass nicht ein Windstoß diesen von der Optik stoßen kann, die Auswirkungen wären fatal.
      Auch mit bloßen Auge in die Sonne zu sehen ist keine gute Idee und schadet! Daher immer eine Sonnenfinsternisbrille oder durch besagte Folie.

      Bei Teleobjektiven genügt die günstige Folie, für Linsenteleskope auch.
      Wer ambitioniert Sonnenfotografie / Beobachtung betreiben wird, gibt es da aber auch andere Hilfsmittel wie Herschelkeil und spezial „Energieschutzfilter“ was aber gleich sehr teuer wird.

      Was man aber gleich vergessen kann: Hoch dichte Filter vor zuschrauben. Die können schnell man springen…. Auch Spiegelteleskope werden bei der weitergehenden Sonnenbeobachtung nicht eingesetzt. Das sind es eben kleine Linsenteleskope.
      Wer mehr als Weißlicht beobachten/fotografieren will wird mehr als 1000 Euro einplanen müssen, an sich wird es bei kleinen Sonnenteleskopen ab 3000 Euro interessant und bei etwas größeren geht es schnell Richtung 10.000 Euro.

      Also zu meiner „mini“ Sonnenfinsternis am 10.6.2021.

      Oben habe ich erwähnt: Lange nicht mehr gemacht: Auch wenn ich schon ab und an die Sonne fotografierte, es geht hier nicht über verinnerlichte Praxis. Am besten wäre es wie in der Fliegerei: Ein Checkliste zu verwenden. Damit man nichts vergisst.

      Es fing bereits damit an: Wo habe ich meinen Sonnenfilter für das Teleskop überhaupt liegen 😉
      Nach etwas suchen dann doch gefunden.
      Eine Sonnenfinsternisbrille hatte ich griffbereit in einem der zwei Koffer wo all das Zeug für’s Teleskop gelagert ist.
       
      Zum Seeing:
      Wer mal Sonnenflecken fotografieren will: Morgens oder abends ist das Seeing (flimmern der Luft) am besten. Muß nicht sein, aber meist ist es so. Steht die Sonne hoch, wäre zwar die Luftschichte gering, aber das Seeing ist einfach sehr schlecht.

      Natürlich kann man sich den Zeitpunkt bei einer Sonnenfinsternis nicht aussuchen, man muss halt nehmen war man hat.

      Bei mir war das Maximum der Bedeckung gegen 12:40 und ca 30 Minuten Später war alles vorbei.

      Bei 5% die bei mir war, aber selbst bei 80% sieht man die Effekte dass es dunkler wird sicher nicht, vielleicht etwas bei 95%. Nur wenn wirklich 100% der Sonne bedeckt sind, gibt es dieses unheimliche Spektakel einer totalen Sonnenfinsternis, das ist aber eine andere Geschichte…..

      Wohl aber visuell mit der Sonnenfinsternisbrille, ich hab es probiert: Ja da fehlt ein Zipferl 😉
       

      Was man auch mit einplanen sollte (nebst Eigenschutz wie vielleicht Sonnencreme oder Kopfbedeckung) Etwas großes möglichst dunkles, mit dem ihr die Kamera bezw. das Display abdecken könnt: Sonst sieht man am Kameradisplay außer die Scheibe nicht wirklich etwas. Und immerhin muss man ja scharf stellen.

      Und scharfstellen fällt mir bei der Sonne mit all den Umständen viel schwere als an Sternen.
      Wenn man Glück hat sind ein paar dicke fette Sonnenflecken sichtbar, an denen man fokussieren kann, ansonsten bleibt nur der Rand.

      Also vorher ein aktuelles Bild der Sonne suchen, dann sieht man, wo man nach den Sonnenflecken suchen sollte.

      Ich habe ja den Luxus, über eine gute Nachführung zu verfügen und ein 800mm Spiegelteleskop. Im Garten weiß ich auch mittlerweile gefühlsmäßig wie ich das ganze hinstelle, dass es in etwas eingenordet ist. Das hilft dann sehr, dass die Sonne dann nicht allzu schnell aus dem Bildfeld wandert.




      Bei der Belichtung verwendete ich den P Modus und machte eine Probebelichtung. Mit der +- Korrektur steuerte ich dann die gewünschte Belichtung.

      An sich ging +0,7 eV leicht, und der Histogramm ging bis ca 80% ins Helle. Sicher kein Problem bei Alltagsfotografie. Aber wie am Mond auch: Mit Bildern wo der hellste Wert nur so bei 66% liegt hat man einen besseren Kontrast und ich tu mir bei der Ausarbeitung leichter.
      Natürlich machte ich auch Bilder mit +0,3 und 0,7 eV, Aber letztlich wie angenommen, waren die Bilder mit +-0 Blenden Korrektur besser.
      Meiner Meinung nach ist das deshalb, weil der Sensor bezw. Das was dann in den File geschrieben wird gerade im oberen Bereich nicht mehr lineare arbeitet um ein Bild nicht gleich ausbrennen zu lassen und eben 13,x Blenden Dynamik zu „erzeugen“ trotz 12 bit Sensor. Also ist das Bild im hellen Bereich nicht mehr so kontrastreich.

      Da wir bei der Sonnenfotografie ja nicht annähernd den vollen Dynamikumfang brauchen, spielt es auch keine Rolle. Ist das Bild zu dunkel, machen wir es einfach heller. Was uns aber hilft: möglichst guter Kontrast bei den ohnehin flauen Sonneflecken.

      Zur Belichtung:
      Steht kein Fernauslöser zur Verfügung, dann sollte auf jeden Fall wie immer eine Auslöseverzögerung eingestellt sein. Bei mir standardmäßig 4 Sekunden.
      Natürlich auch hier: Wenn man kann: Möglichst viele Bilder machen und das das stacken.

      Da bei mir der Himmel um den Beginn und zum Maximum stark bewölkt war konnte ich nur auf eine Wolkenlücke hoffen.

      Nunja: Eine genügend lange braucht man natürlich um mal das Teleskop auszurichten und eine um Scharf stellen zu können. Auch so ein Problem, wo Geduld gefragt ist, und wie immer: Rechtzeitig Aufbauen hilft hier, vor allem wenn der Zeitpunkt vorgegeben ist.

      Damit ich dann mal wenigstens ein Bild habe, denn die Wolkenlücken waren nicht wirklich groß und meist auch nie ganz klar, machte ich auch Bilder als Wolken durchzogen:



      Dann war mal ca. 5 Minuten nach Maximum eine größere Wolkenlücke und mit schnellsten Serienbildmodus (Silent Shutter, 60 Bilder / Sekunde bei den E-M1.III und Fernauslöser konnte ich 300 Bilder sammeln. Natürlich ist eine wirklich schnelle UHS-II Karte auch Voraussetzung.

      Weitere 10-15 Minuten gaben die Wolken weitgehend die Sicht auf die Sonne frei, so daß ich weiterer Serienbelichtungen machen konnte.

      Wie üblich exportierte ich dann mal die Bilder in 48bit TIFF, was dann Autostakkert lesen kann. 4% der besten Bilder bezw. Ausschnitte, mit 1,5x drizzle verrechnet:





      Das Ergebnis nachbearbeitet wie beim Mond: Schärfen, Kontraste erhöhen, selektiv bei den Sonnenflecken.
      Und die Sonne, welche Farbe sie am eigenen Bild auch hat, ist nun mal weiß und etwas fad wie ich finde. So färbe ich sie dann auf eine Farbe die mir mehr gefällt: Bei der Sonne eben gelb.






      Siegfried
    • Von iamsiggi
      Ein kurze klarere Phase machte es Ende Mai möglich das mFT100-400 am berühmten Großem Kugelsternhaufen im Herkules einzusetzen.

      Bei reinen Sternen ist ja die Helligkeit des Himmels nicht so aussschlaggebend wie bei den schwachen Nebel. Auch gibt es hier nichts an Wellenlängen einzufangen, was nicht eine normale Kamera auch abbilden kann.
      Also recht gut für das Lichtschwache Olympus mFT100-400.

      Hier das gesamte Bildfeld bei 400mm und Offenblende. Bei ISO 1600 belichtete ich jeweils 2 Minuten. 21 Bilder waren letztlich brauchbarer und führten zu diesem Ergebnis.

      Der M13 ist ja eines der Paradeobjekte ende Frühling wo er über den Zenit zieht. (siehe ein Beitrag über den Sternenhimmel im Spätfrühling:
      Rund um unser Milchstraße (wie auch anderen Galaxien) finden sich viele Kugelsternhaufen.  M13 ist der größte bei uns sichtbare (schon mit Fernglas) und eines der wenigen Objekte, die auch im Teleskop mit eigenen Augen lohnen. Zunächst sieht man einen nebeligen Fleck, aber nach 15-30 Sekunden der Anpassung des Auges bezw. eher der Bildverarbeitung im Gehirn, sieht man es so wie am Bild.
        Er ist nur 25.100 Lichtjahre weit weg und hat einen Durchmesser von 150 Lichtjahren. Mit mehr als 12 Milliarden Jahren ein sehr altes Objekt, wie viele dieser Kugelsternhaufen.1974 wurde mit dem großen Radioteleskop in Arecibo (das leider vor kurzem ja zusammengebrochen ist) eine erste Botschaft der Menschheit dahin gesendet..... Die Rückantwort wird also noch etwas dauern ...vor allem weil man nicht getroffen hat, denn man hatte vergessen, die Rotation der Milchstraße zu berücksichtigen

      Siegfried

      Mittlerweile habe ich auch ein wenig Hintergrundmaterial dazu verfasst zu dem Bild:
       
    • Von iamsiggi
      Anfang Juni geht es schon schnell Richtung kürzeste Nacht.
      Gerade mal 1,5 Stunden Astronomische Dunkelheit bleiben mir im Süden ( Wien/München).  Gegen Norden Europas wohl gar nicht mehr!
       
      Hier mal ein Überblick des  Sternenhimmel Anfang Juni gegen Mitternacht:



      Die Frühlingssternbilder mit den kleinen fernen Galaxien wandern schon sehr gegen Westen und im Osten steigt schon die (Sommer) Milchstraße  mit ihren großen Gasnebel hoch.

      Hoch über den Zenit zieht das Sternbild Herkules mit einem der großartigsten Objekten die der Sternenhimmel bei uns bietet: Der große Kugelsternhaufen im Herkules, Messier 13 oder kurz M13 genannt. 

      Wie im Frühling, erlaubt dieser Himmelsausschnitt noch recht ungetrübten Blick in die Tiefen des Weltraums, bevor dann wieder die vielen Sterne und Staubbanden der Milchstraße die Sicht behindern.

      Wega und Arktur sind die zwei hellsten Sterne am Himmel. Der hellste, Sirius ist ja nur im Winter sichtbar und der zweit hellste Canopus ist bei uns nie zu sehen.

      Arktur ist leicht auffindbar:
      Die Deichsel des Großen Wagen /Schwanz der Große Bärin einfach geschwungen nach unten verlängern. Wer dann weiter nach unten geht, landet bei der Spica die schon tief im Südwesten steht.

      Der hellste Stern im Osten ist die Wega (Vega) Sie bildet mit den hellen Sternen Altair und Deneb im Schwan das Sommerdreieck.

      Im folgenden jetzt der Ausschnitt, der das Bildfeld eines 12mm Objektiv zeigt. Ich hab mir dazu die markantere Gegend zwischen Arktur und Wega vorgenommen:



      Hier findet sich die Nördliche Krone (Crb - Corona borealis) und das Sternbild Herkules. Für ungeübte am Sternenhimmel nicht ganz so einfach zu identifizieren, aber wer es mal gesehen hat, vergisst es kaum und man findet sich schnell zurecht:

      In diesem Fall gibt es ein einfaches Hilfsmittel:
      Man denkt sich eine Linie zwischen den zwei hellen Sternen Arktur und Wega. Die Nördliche Krone ist dabei im Ersten 1/3 zu finden, Herkules in 2/3 Abstand (oder 1/3 von Wega weg). Sogar M13 liegt ziemlich genau an der Linie. Nämlich genau zwischen den zwei linken Sternen im ersten oberen 1/4.

      Sterne und Sternhaufen sind ja selbst recht hell und so kann man auch recht knapp belichten, beziehungsweise bei nicht ganz dunklen Himmel ja Bilder machen. So habe ich die Zeit in der Astronomischen Dämmerung (ab 23:00) genutzt um einige Bilder zu machen:

      Im nachfolgenden ein Einzelbild knapp vor 23:00. E-M10.II , mFT12/2 F/2.5 IS1250  60 Sekunden belichtet
      Und zwar nur verkleinert, und nicht bearbeitet, also so wie es aus der Kamera kommt (OOC - out of Cam).


      Wie üblich taucht hier folgende Problematik auf:

      Nur wenn man knapp belichtet, brennen hellere Sterne nicht aus, dann verlieren sich aber die schwächeren Sterne. Und man erhält ein wenig ansprechendes Bild: Wenig sehr helle Punkten auf schwarzem Grund.

      Belichtet man länger, geraten auch zunehmend schwächere Sterne in die Sättigung und wir können kaum mehr die hellen Hauptsterne erkennen die uns helfen, dass wir uns am Himmel zurechtfinden, von den sehr viel mehr schwächeren Himmel unterscheiden und wir verlieren uns hier in weißen Punkten auf mehr oder weniger schwarzen Hintergrund. Je länger man Belichtet desto mehr Himmelshintergrund kommt hervor in dem sich eine große Anzahl von sehr weit entfernten Galaxien findet.
      Mit freiem Auge hat man es hier also zunächst etwas einfacher und bedingt durch meist den aufgehellten Himmel sieht man die vielen schwächeren Sterne sowieso nicht bis kaum.

      Um trotzdem die Sternfarben zu sehen und den Helligkeits- und Größeneindruck zu erhalten kann man jetzt folgendes machen:
      Leicht unscharf stellen. Damit verteilt sich das Licht heller Sterne über eine größere Fläche und die Pixel geraten damit viel später in die Sättigung, die ja jegliche Farbinformationen vernichtet.

      Oder wie hier, wo ich einfach mein Cokin P830 Weichzeichenfilter vorgehalten hatte:



      Die Form der Krone (einst die der Ariadne aus der griechischen Mythologie) kann man sich jetzt gut vorstellen. Der hellste Stern Gemma leuchtet heraus. Der Körper des Herkules, den vier heller Sterne bilden, zeichnet sich zwar etwas schwächer, aber für den Kundigen doch erkennbar, ab. Wer genau hinsieht kann auch M13 erkennen.

      Hier  eine Astrometrierte Version:


      Dazu hatte ich einige der "normalen" Fotos gestackt und astrometriert. Natürlich dabei die Verzerrung des nur elektronisch korrigierten 12/2 ausgleichen lassen. Die gefundenen Koordinaten habe ich dann in die Metadaten des weichgezeichneten Bildes übertragen und dann einen Auswahl an Objekten ins Bild zeichnen lassen

      Hier noch mit den helleren Sternen:


       

      Noch etwas "Wissenschaft" zu den zwei hellen Sternen Wega und Arktur:

      Beide Sterne sind an sich gleich hell. Wega wurde mit einer Helligkeit von mag 0 festgelegt und diente früher als Helligkeitsreferenz. Arktur erscheint uns etwas dunkler, weil unser Auge im roten nicht so empfindlich ist.

      Wega war 1850 der erste Stern (außer unsere Sonne) der fotografiert wurde.
      Mit einer Temperatur von 16.000 Grad erscheint er uns blauweiß. Durch die Präzissionsbewegung der Erdachse  war Wega vor 14.000 Jahren der Polarstern.
      Mit einer Entfernung von 25 Lichtjahren ist er auch einer der mit bloßen Augen Augen sichtbaren nächsten Sterne. Er bewegt sich ganz langsam Richtung Sternbild Schwan.
      Wega hat etwas mehr als die doppelte Masse der Sonne, aber ist mit 400 Mio Jahre noch recht jung. Durch die größere Masse und schnelleres Brennen wird er kaum 1 Mrd Jahre alt werden. Messungen im IR Licht zeigen eine Staubscheibe, in der man Planeten finde könnte, was bisher nicht gelang.
      Die kurze Zeitspanne bei solchen Sternen würde aber kaum für die Entwicklung von Leben ausreichen. Spätestens mit aufblähen zum roten Riesen würde es ausgelöscht. Auch Wega wird als weißer Zwerg enden.
      Heutige Messungen zeigen, dass Wega sehr schnell rotiert: 12,5 Stunden für eine Rotation. Das ist nur leicht unter der Geschwindigkeit (93%) wo der Stern zerrissen würde. Dadurch ist der Stern stark abgeplattet.

      Arktur:
      Er ist 37 Lichtjahre von uns weg und bewegt sich entsprechend schnell am Himmel (2,3 Bogensekunden pro Jahr) in Richtung Sternbild Jungfrau.
      Der Stern ist gut doppelt so alt wie unsere Sonne und damit ist er das älteste Objekt, das wir mit freiem Auge sehen können. Er hat maximal 1,5x die Masse der Sonne, aber hat sich schon deutlich zu einem roten Riesen aufgebläht. Dabei ist er bereits 25x größer als die Sonne. Durch die geringe Masse über einen so großen Raum, könnte man da durchfliegen, wäre nicht die starke Strahlung. Er "verbrennt" auch nicht mehr Wasserstoff, sondern bereits Helium zu Kohlenstoff und Sauerstoff. Bei der geringen Masse wird er als weißer Zwerg enden.

      Viel Spaß beim Selbsterforschen!
      Siegfried








       
    • Von iamsiggi
      M87 mit dem Teleskop. (100% Auschnitt)
      Das ist die, wo dieses erste "Bild" eines schwarzen Loches gezeigt wurde.
      Ausrüstung:
      E-M10.II, "Newton ohne Namen" 200/800 + MC14 (F5.6) ISO 1250 4 Minuten Belichtet 32 Bilder.

      An sich gibt diese helle elliptische Riesengalaxie nicht wirklich was her, heller Fleck halt. Man muss schon genauer hinsehen.

      Sie ist von uns 55 Mio. Lichtjahre weit weg und doppelt so schwer wie unsere Milchstraße, beherbergt aber gut 10x mehr Sterne. Unser Milchstraße wird von ca 200 Kugelsternhaufen umkreist, bei M87 sind es 12.000!. Man geht davon aus, dass die von kleineren Nachbargalaxien stammen. Letztlich nimmt man an, dass solche elliptischen Galaxien das Ergebnis von Zusammenstößen von Galaxien sind.

      Im Zentrum dieser Galaxie befindet sich eines der größten bekannten schwarzen Löcher. 6,6 Milliarden Sonnenmassen schwer und mit 20 Mrd. km Durchmesser größere als unser Sonnensystem. Zum Vergleich: Der Durchmesser der Neptunbahn liegt bei 9 Mrd km.

      M87 ist auch als "smoking Gun" / Rauchender Colt Galaxie bekannt, weil man diesen extrem heißen 5000 Lichtjahre langen Plasmastrahl, sehen kann.
      Es ist das kleine Anhängsel das aus dem Galaxienkern nach oben geht.

      Die Teilchen werden mit nahezu Lichtgeschwindigkeit in den Weltraum geschleudert und sind Überreste der ins schwarze Loch fallende Materie.

      Dieses Galaxienpärchen PGC 139919 und PCG 41342 (UGC7652b und UGC7652a) das rechts oberhalb durch M87 durchschaut ist 1,1 Mrd Lichtjahre weit weg.

      Im gesamten Bildfeld finden sich hier 56 Galaxien des PGC Galaxienkataloges. Bei einigen kann man herausfinden wie weit sie weg sind:

      PGC 169454 1.4 Mrd. Lichtjahre,
      PGC 139910 1.2 Mrd. Lichtjahre
      PGC 41285 1.1 Mrd. Lichtjahre
      PGC 169422 1.5 Mrd. Lichtjahre Die Helligkeit liegt hier bei mag +18,14

      In Großer Ansicht und gesamtes Feld:
      https://astrob.in/cissqo/0/
      Siegfried
    • Von iamsiggi
      Himmelsmechanik
      Was jeder schnell mitbekommt: Im Winter sind die Tage kurz im Sommer lang.
      Das gerade im Winter die Erde der Sonne am nächsten ist, wissen aber schon weniger.
      Spätestens wenn jemand mal die Milchstraße fotografieren will, muss man dann etwas nachforschen. Zumindest will man herausfinden wo man sie zu suchen hat und dabei kommt man dann weiter drauf, dass sie im Laufe der Jahreszeiten wandert.
      Bleiben wir aber jetzt mal im Sonnensystem:

      Die Jahreszeiten kommen ja daher, weil die Erdachse gekippt steht. Steht die Sonne tief, fallen die Strahlen flach auf die Erdoberfläche auf, was weniger Energie/Fläche bedeutet. Betrachten wir die Extreme, dann steht die Sonne zur Sommersonnenwende über dem „Wendekreis des Krebses“ im Zenit zu Herbst und Frühlingsbeginn über dem Äquator und im Winter ist sie im südlichen Wendekreis „Wendekreis des Steinbocks“ genannt.
      Da ich schon öfter gerade den nördlichen Wendekreis (Krebs) überschritten habe: Er ist zwischen Assuan und Abu Simbel, falls sich jemand in Ägypten auskennt. Marokko, Miami und Dubai liegen da auch in etwa, so zur Orientierung. Der Südliche geht z.b. durch Namibia. Es ist der 23 Breitengrad. Das ganze wandert aber etwas.

      Da bedeutet: die Sonne steht bei uns in der nördlichen Hemisphäre nie im Zenit, aber der Tag ist damit sehr lang, und je höher man in den Norden kommt, desto weniger lang finster wird es in der Nacht. Die „Astronomische Finsternis“ ist bei uns im Sommer im Süden von Deutschland und bei mir um Wien herum gerade mal so 1 Stunde lang verfügbar. Im hohen Norden über dem Polarkreis geht dann sie Sonne nicht mehr unter und auch ein paar hundert km südlich wird es nie mehr richtig dunkel. Das sind die berühmten weißen Nächte in St. Petersburg.

      Umgekehrt im Winter: Hoch oben am Polarkreis ist ewige Finsternis oder gerade mal etwas dämmrig über den Tag und bei uns ist nur 8 Stunden Tag.

      Und wer sich auf die Südhalbkugel der Erde begibt hat das genau umgekehrt: Wenn bei uns Winter ist, ist „unten“ Sommer.

      Sonne, Planeten und unseren Mond findet man entlang der Ekliptik. Die steht im Winter besonders hoch im Sommer sehr tief. So erreicht der Mond im Winter seinen Höchststand. Und je höher über dem Horizont etwas steht, desto dünner ist die Atmosphäre, die uns das Fotografieren so verschlechtert. Das Seeing hat natürlich auch viel mitzureden und das ist im Frühling am besten. Und wie wir wohl auch immer ab Herbst mitbekommen: Meist ist es bewölkt und zäher Hochnebel sorgt dafür, dass trotz langer Nächte sich die brauchbaren Zeiten auf einige wenige Stunden im gesamten Winter reduzieren.


      Astronomische Beobachtungen waren seit jeher bei den Menschen überlebensnotwendig, zeigen sie doch, wo im Jahr man steht, was wichtig für die Ackerbau ist. So ist es wenig verwunderlich, dass man auf Höhlenzeichnungen die Plejaden identifizieren kann und sie auch auf der Himmelscheibe von Nebra vorkommen. Ihr Erscheinen zeigt nämlich an wenn es Herbst wird, ihr Verschwinden vom Abendhimmel den Frühling. Der Sirus zeigte den Ägyptern, dass die Überschwemmungen kommen, die dann wieder fruchtbaren Boden bringen.
      Dieses Wissen bedeutete Macht und wurde lange von den Priestern gehütet. Erst mit genauen Kalendern brauchte es diese „Insider“ nicht mehr, denn es genügte ein Blick auf den Kalender und man wusste wo im Jahr man sich befand.

      Schon vor sehr langer Zeit sahen die Menschen in den auffälligen Sternanordnungen (Asterismus) schon bald Dingen des Alltags, meist wurden aber Gestalten aus der Sagenwelt in den Himmel gesetzt. Helle Sterne erhielten Namen und wenige verwunderlich kommen sie aus dem Arabischen und Griechischen.

      Was auffällt: Je mehr man in den Süden geht, desto mehr Gerätschaften etc. der letzten paar Jahrhunderte wurden in den Himmel gesetzt: Fornax (Chemischer Ofen) Skulptor (Bildhauer) Mikroskop, Carina (Schiffskiel) etc. Das Kreuz des Südens war wichtig für die Seefahrt, denn es gibt da keinen auffälligen Stern der der Südpol am Himmel kennzeichnet.

      Dann wurde so um 1600 das Wort Astrologie (=Sterndeutung) geschaffen, aber die Wurzeln gehen mehr als 2000 Jahren zurück. Nun musste Platz für die Tierkreiszeichen (=Zodiak) geschaffen werden. Und zwar brauchte es 12, einen für jeden Monat. Davor waren es 13.
      Man musste sie natürlich entlang der Eklipik angeordnet, denn da bewegen sich ja scheinbar Sonne, Mond und Planeten (Wandelsterne) durch. Für den ungeübten Beobachter sind dabei diese Sternbilder sehr oft nicht einfach zu finden, denn sie bestehen oft nur aus schwachen Sternen. Bei einigen kann man zumindest die helleren Hauptsterne identifizieren.

      Warum ich das jetzt ausbreite: Es hat damit zu tun, wann man etwas sehen kann.
      In welchem Sternzeichen jemand geboren ist, wurde dadurch definiert, dass im Sternbild gerade die Sonne steht.
      Das bedeutet für uns: Das eigene Sternbild ist um den Geburtstag herum nicht zu sehen, denn da steht die Sonne und überstrahlt alles davor und danach. Am besten ist es sichtbar wenn es genau gegenüber der Sonne steht, als ein halbes Jahre danach, zu Mitternacht. Da ist der „Meridiandurchgang“ und auch der höchste Stand über dem Horizont in der Nacht, denn am Tag haben wir ja nichts davon… zumindest nicht wenn man es beobachten will.

      Ich empfehle immer die Freeware Stellarium und wer da jetzt mal Nachprüft wird feststellen: Das ganze Zeugs stimmt um einen Monat nicht mehr. Daher müssten wir jetzt auch anstatt des Wendekreis des Krebs vom Wendekreis des Zwillings und anstatt Steinbock den Schützen anführen.

      Und wer jetzt weiß, dass die schöne helle Sommermilchstraße im Sternbild Schütze steht, wird jetzt ableiten können, warum man diesen Bereich nur eher im Sommer schön sehen kann, denn im Winter ist da die Sonne.  Umgekehrt, wandert die Sonne im Sommer oberhalb des Orion, so dass es ein "Wintersternbild" ist.

      Bedingt durch die Abweichung des Horoskop um ein Sternbild ist es heute dennoch möglich zumindest Teile des Sternbild zu seinem Geburtstag kurz nach Sonnenuntergang zu sehen.

      Wenn man jetzt eine gewisse Region am Himmel ansieht, wird diese zu einem immer früheren Zeit am Himmel zu sehen sein. Wer die ganze lange Nacht, vor allem im Winter 😉 zusieht wird dabei einen großen Teil der Sternbilder die es so gibt vorbeiziehen sehen.

      Im Jänner sieht man schon morgens die Sommersternbilder, schon nach Mitternacht die Frühlingssternbilder. Und am Abend kann man im Westen die Sommersternbilder (Schwan z.b.) oder Vega verschwinden sehn und am Morgen im Norden vorbeizieht, allerdings zu tief, als dass man fotografisch was gutes bekommt. Aber es hilft sich am Sternenhimmel zurechtzufinden.
      Anfang Frühling, der Tag  wo  Tag und Nacht gleich lang sind  (in den nächsten Jahren am 20. März), wird man noch Orion höher im Südwesten sehen, und Plejaden noch im Westen untergehen sehen. Die Nächte werden jetzt aber immer kürzer, sodass es dann immer schneller geht, dass wir diese Wintersternbilder noch vor Untergang sehen können.
      Die Frühlingssternbilder wie Löwe stehen dann schon bald recht hoch am Himmel und es folgen dann die Typischen Frühlingssternbilder unterhalb des großen Wagens/Große Bärin. Gegen Mitternacht kann man dann schon im Osten die Vega und die Sommersternbilder wie Schwan hoch steigen sehen.


      Bedingt durch die Erdachse gibt es Sternbilder, die man bei uns das ganze Jahr über sieht bzw. Teile davon. Die nennt man Zirkumpolar. Das ist der große Wagen, Kassiopeia (diese W am Himmel) und die helle Capella.
      Will man ein bestimmtes Objekt beobachten, kann man selten die ganze Sichtbarkeit über die Nacht verwenden, sondern hat oft nur einen mehr oder weniger begrenzten Bereich, wo es Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten (Bäume, Lichtverschmutzung) sinnvoll ist. Das muss man dann auch in seine Kalkulationen miteinbeziehen.
      Zum Teil ist dieses Sichtfenster halt recht eng und wenn man es versäumt dann bleibt einem vielleicht den Standort zu wechseln oder ein Jahr zuwarten bis es wieder vorbeikommt.

      Keine Angst, wenn man öfter in die Sterne schaut, lernt man schön langsam dazu und bekommt das dann auch mit wie alles wandert. Dazwischen liegt halt fast ein Jahr, aber je öfter man etwas wiederholt, desto besser verinnerlicht man es.

      Zurück ins Sonnensystem:
      Wer die Planeten beobachtet sieht, dass sie nicht gleichförmig in eine Richtung wandern, sondern in Schleifen. Das gab lange Zeit ein Rätsel auf, aber nur solange bis man die Erde aus dem Zentrum des Sonnensystems an die richtige Stelle rückte. Damit war dann leicht erklärbar, warum die mal in eine Richtung wandern bis sie dann scheinbar umdrehen und Rückläufig sind.

      Entlang der Ekliptik gibt es ja einige helle Sterne, die natürlich benannt wurden und ab und an gibt es da Bedeckungen, vor allem durch den großen Mond.

      Der Mond selber unterliegt einem monatlichen Zyklus, der ca. 28 Tage dauert. Nicht umsonst ist z.B. der Zyklus der Frauen auch in etwa 28 Tage. Mit unsere künstlichen Lichtquellen ist das aber auch oft schon verschoben und verwaschen. Ansonsten war um den Vollmond (=hell) meist der Eisprung, um wieder mal abzuschleifen 😉
      Eines ist sicher: Die Sterne und anderen Planeten üben keinen unmittelbaren Einfluss auf die Menschen aus. Aber beim Mond merkt man es schon alleine durch Ebbe und Flut. Und so mancher ist „mondsüchtig“, der Körper reagiert auf die Lichtaufhellung.
      Die Sonne unmittelbar durch ihre Aktivitäten, die aber nur wenige mit eigenen Augen sehen: Polarlichter. Und so einen richtiger Hit ausgelöst durch extreme Sonnenwinde hatten wir die letzten 2 Jahrzehnte zum Glück nicht mehr. Bei der heutigen Abhängigkeit von Telekommunikationssatelliten und Stromversorgung merken wir es dann aber schon wenn es doch passiert…

      Auch wenn uns der Mond durch Synchronisationseffekte immer die selbe Seite zeigt, ganz so ist es nicht. Er zeigt uns mal mehr und mal weniger von seiner Nord, Süd, Ost oder Westseite. Das nennt sich Libration. Innerhalb eines Monats schwankt auch sein Abstand zur Erde und war zwischen 356 400 und 406 700km. Visuell ist der Größenunterschied aber nur maximal um die 15%. Man wird auch feststellen dass er ca. 1 Stunde pro Tag später aufgeht.

      Da er am Nachthimmel einer der stärksten „Lichtverschmutzer“ ist, kann man dann abschätzen, wann man wieder besser Beobachtungsbedingungen hat. Also rund um den Neumond. Oder zumindest bis Mondaufgang oder beim Monduntergang.


      Jeder hat so seinen Bereich am Himmel, wo er besonders gute Bedingungen vorfindet und dann wird man das in seine Planungen mit einbeziehen um dann seine Bilder sammeln, wenn die Objekte genau da vorbeiziehen.
      Beim Ausarbeiten von gestackten Bildserien ist es ja egal, wann sie gemacht wurden, aber eines ist wichtig: Möglichst gutes Ausgangsmaterial.


      Soviel als Überblick.
      Siegfried
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