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Ringnebel in der Leier (M57)


iamsiggi

Letzte Woche hatte ich eine klare Nacht und nützte sie um den Ringnebel in der Leier zu fotografieren:

Die Nacht war durch ganz leichte hohe Bewölkung und anfänglich dem fast 40% beleuchteten Mond nicht wirklich ganz dunkel, aber der Ringnebel ist ja recht hell und zieht gerade über den Zenit.

Das Objekt zu finden ist relativ einfach:
Derzeit hoch oben steht der momentan hellste Stern, die Wega im Sternbild Leier, das man in einer etwas klaren Nacht auch gut erkennen kann. Den als "Ringnebel" sehr bekannte Planetarische Nebel findet man auch recht einfach - ziemlich genau zwischen den zwei hellen unteren Sterne im Sternbild.


Mit einem Teleskop so ab 100mm Öffnung sollte man ihn sehen können. Bei meinem 200mm Spiegelteleskop kann ich ein kleines Rauchringerl sehen - recht viel mehr nicht, als ungeübter Beobachter. Auf das zwar hier sehr intensiver rote Leuchten ist unser Auge ja kaum mehr empfindlich.

Wie ist dieses Bild entstanden:

Ich machte bei ISO800 4 Minuten Belichtungen mit einer Olympus E-PL6 Kamera.
Sie wurde etwas modifziert: Der Filter der normalen Digitalkamera, der den Sensor vor Infrarotlicht schützt wurde entfernt. Bei Olympus filtert er bereits 2/3 des roten Lichtes des Wasserstoff heraus. Somit ist die Kamera dann wesentlich empfänglicher für dieses wichtige rote Leuchten des Wasserstoff.
Das restliche IR Licht wurde durch ein Filter gesperrt. So konnte die Kamera von 400-700nm alles an Licht aufnehmen, wohingegen eine normale Kamera nur von 400-650nm empfindlich wäre.

Fernrohr war ein Newton Spiegelteleskop mit 800mm Brennweite und einen 200m Spiegel, was einer Blende von F/4 ergibt. Das Teil nennt sich "Newton ohne Name" und wird von der Österr./Ungarischen Firma Lacerta (Teleskop Austria) gefertigt. Es ist ein gepimpter SkyWatcher Quattro, der in der einfachen Version gerade mal um die 500 Euro kostet.....
Das ganze war auf einer stabilen Nachführung von Skywatcher, der AZ-EQ6 GT.
Die exakte Nachführung wurde mit dem Lactera MGen erreicht, er hat mir auch die Kamera alle 4 Minuten ausgelöst und zwischen jedem Bild das Bildfeld etwas versetzt.
Nennt sich dithering und soll sicherstellen, dass ein und der selbe Bereich des Bildes nicht immer den selben, möglicherweise defekten Sensor beleuchtet.

In Summe sind in dieser wunderbaren, aber leider nicht wirklich ganz dunklen Nacht dann 60 Bilder entstanden, also 4 Stunden Belichtungszeit gesamt.
Das ganze wurde dann mit der Software PixInsight zusammengerechnet und bearbeitet.....



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Hier ein 100% Ausschnitt.

Den Ringnebel kann man sich als Torus vostellen. Von der Erscheinungsform werden solche Objekte als Planetarische Nebel bezeichnet.

Vor ca. 20.000 Jahren hat ein Stern von wohl der Größe unserer Sonne am Ende seiner Lebenszeit, wo er sich aufblähte, einen großen Teil seiner Gashülle abgestoßen.
Im Zentrum blieb der Sternenüberrest zurück, ein sehr heißer Zwergstern mit so um die 100.000 Grad. Die starke UV Strahlung regt die verschiedenen Elemente zu ihrem typischen Leuchten an:
Ganz Innen um den Zentralstern das dunkle Blau ist die Strahlung des Helium, dann kommt das Grün des Sauerstoff und nahe dem Ring das rötliche ist auch noch Stickstoff. Das viele rote intensive Licht ist H-alpha - die Strahlung des Wasserstoffs.

Eine dünne Gasschicht um den Zentral Stern ändert auch die Helligkeit. So gab es Messungen um die mag 14,2 - 15,8 also Schwankungen die mehr als 2,5x mehr oder weniger Licht entspricht. Mag +15 ist schon recht schwach, der Pluto hat von uns aus gesehen auch mag +14,5 herum.

Der Ringnebel ist sehr komplex aufgebaut, so eine Blumenkranzähnliche Struktur, die man auf Bildern mit sehr großen Teleskopen erkennen kann.
Das schwache etwas rundherum ist also kein Bildbearbeitungsfehler .....

Das ganze ist um die 2200 Lichtjahre von uns entfernt, rechts die kleine Balkenspirale ist dafür um die 250 Millionen Lichtjahre weit weg.

Auch hier ist erstaunlich was ich in der recht kurzen Belichtungszeit mit der einfachen Fotokamera und dem kleinen Teleskop an Details zeigen kann....

In voller Auflösung gibt es das Bild auf AstroBin

Siegfried

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Doku

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Bildinformationen

  • Aufgenommen mit OLYMPUS IMAGING CORP. E-PL6
  • Objektiv
  • Brennweite 0 mm
  • Belichtungszeit 240/1
  • f Blende f/1.0
  • ISO-Empfindlichkeit 800

Empfohlene Kommentare

Auch von mir ein herzliches Dankeschön für die tollen Fotos und Texte von Dir. Ich bin immer wieder begeistert von beidem.

Beste Grüße Uli

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